Darmkrebs - Der auffällige Befund

Wurde bei der Darmspiegelung ein Tumor entdeckt, haben die behandelnden Ärzte normalerweise gleich eine Gewebeprobe des Tumors entnommen. Die zuständigen Pathologen haben auf der Basis dieser Gewebeprobe den Verdacht auf Darmkrebs bestätigt. Daraufhin folgen ergänzende Untersuchungen, die ambulant oder stationär erfolgen können. Dabei gilt es z.B. festzustellen, wie groß der Tumor bereits ist, wo er genau liegt, wie tief ist er in die Dickdarmwand eingewachsen ist, ob umliegende Lymphknoten befallen sind und ob er möglicherweise bereits in andere Organe gestreut hat (Metastasen).

Aufgrund der ergänzenden Untersuchungen können Ihre Ärzte das Tumorstadium feststellen, nach dem sich die Planung der weiteren Behandlungen richtet. ergänzend zur kompletten Spiegelung des Dickdarms mit Probenentnahme empfehlen die Experten der ärztlichen Leitlinie dafür die folgenden Untersuchungen (29):

Digital-rektale Untersuchung

Bei der sogenannten digital-rektalen Untersuchung, die laut Leitlinie durchgeführt werden sollte, tastet die Ärztin oder der Arzt Ihren Enddarm vorsichtig mit dem Finger aus. Diese Untersuchung ist normalerweise nicht schmerzhaft, manche Personen empfinden sie aber als unangenehm. Die Ärztinnen und Ärzte können sich so grob über die Funktion Ihres unteren Schließmuskels (Sphinkter) orientieren, was für die weitere Behandlung wichtig sein kann. Bei tief sitzenden Rektumkarzinomen lässt sich außerdem abschätzen, wie weit nach unten er in den Darm einwächst. Dies kann einen Hinweis darauf geben, ob der Schließmuskel bei einer Operation erhalten werden kann.

Tumormarker CEA

Als Tumormarker bezeichnet man Stoffe, die besonders von Krebszellen gebildet werden oder für deren Entstehung Krebszellen verantwortlich sind. Wenn sich Tumormarker in erhöhter Konzentration im Blut nachweisen lassen, können sie auf eine Krebserkrankung hinweisen. Allerdings sind Tumormarker oft ungenau, da sie auch bei anderen Vorgängen im Körper erhöht sein können, zum Beispiel bei Entzündungen. 

Nach Meinung der Experten sollte für Darmkrebs der Tumormarker „Carcino Embryonales Antigen (CEA)“ bestimmt werden. Er ist bei einem Drittel der Menschen erhöht, bei denen Darmkrebs festgestellt wird. Der Tumormarker sollte vor einer Behandlung bestimmt werden, da veränderte Konzentrationen später vor allem bei den Nachsorgeuntersuchungen Hinweise auf einen Rückfall oder neu aufgetretene Metastasen geben können. 

Andere Tumormarker oder der Nachweis von Tumor-DNA im Blut sollte laut Meinung der Experten nicht geprüft werden, da diese Werte ihrer Meinung nach keinen Einfluss und keinerlei Nutzen für die Behandlung haben. 

Ultraschall des Bauchraumes

Am häufigsten bildet Darmkrebs Metastasen in der Leber: Bei 19 von 100 Menschen, bei denen Darmkrebs festgestellt wird, finden sich Absiedlungen des Tumors in diesem Organ. Um sie zu erkennen, soll nach Meinung der Experten jede Patientin und jeder Patient eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) des Bauchraumes erhalten. Dafür wird ein Schallkopf von außen auf die Haut aufgesetzt. Ein Kontaktgel sorgt für eine gute Übertragung der Schallwellen. Mit Hilfe dieser Wellen erzeugt der Computer ein Bild des untersuchten Organs. Bei guten Untersuchungsbedingungen erkennt die Sonografie Metastasen in der Leber zuverlässig und ist eine einfache, schmerzlose Untersuchung ohne Strahlenbelastung. In manchen Situationen, wenn etwa das Ergebnis unklar ist oder die Leber schlecht beurteilt werden kann, zum Beispiel bei einer sehr dicken Bauchdecke, wird aber eventuell noch eine Computertomografie oder eine Magnetresonanztomografie erforderlich sein.

Röntgenaufnahme der Lunge

Auch in die Lunge streut Darmkrebs häufiger: Bei drei von 100 Menschen, bei denen Darmkrebs festgestellt wird, finden sich Absiedlungen des Tumors in diesem Organ. Deshalb soll nach Meinung der Experten bei allen Patientinnen und Patienten eine Röntgenaufnahme des Brustraumes (Röntgen-Thorax) erfolgen, um die Lunge zu beurteilen. Wenn sich hier etwas Verdächtiges zeigt, soll laut Experten eine Computertomografie (siehe unten) des Thorax durchgeführt werden.

Computertomografie (CT)

Bei einer Computertomografie (CT) wird der Körper mit Hilfe von Röntgenstrahlen aus verschiedenen Richtungen durchleuchtet. Ein Computer erzeugt aus diesen Informationen Schnittbilder der untersuchten Region. Die Untersuchung ist schmerzlos, aber mit einer Strahlenbelastung verbunden, die höher ist als die einer Röntgen-Thorax-Aufnahme. Bei einer CT liegen Sie auf einem Untersuchungstisch, während in einem großen Ring ein oder zwei Röntgenröhren um Sie kreisen – für Sie unsichtbar. Innerhalb weniger Sekunden entstehen so Bilder des Körperinneren von einem Millimeter Auflösung. Als Standarduntersuchung für alle Menschen mit Darmkrebs empfehlen die Experten der Leitlinie die Computertomografie nicht. Sie soll laut Meinung der Experten aber durchgeführt werden, wenn in der Röntgen-Thorax-Aufnahme oder in der Ultraschalluntersuchung unklare, verdächtige Strukturen gefunden wurden oder Organe schlecht beurteilt werden konnten. Außerdem empfehlen sie eine Computertomografie, wenn die Ausdehnung des Tumors genauer abgeschätzt werden soll. Das kann wichtig sein, um zum Beispiel vor einer Operation zu unterscheiden, ob der Tumor die Darmwand durchbrochen hat oder nicht.

Besondere Untersuchungen beim Rektumkarzinom

Beim Rektumkarzinom spielt es eine größere Rolle als beim Kolonkarzinom, wo der Tumor sich genau befindet und wie weit er in die Darmwand hineingewachsen ist. Davon kann zum Beispiel abhängen, ob eine Bestrahlung (mit oder ohne Chemotherapie) zusätzlich zur Operation sinnvoll ist oder nicht. Deshalb sind bei einem Rektumkarzinom noch weitere Untersuchungen sinnvoll.

Starre Rektoskopie

Bei der Darmspiegelung kann mit dem biegsamen Schlauch, der dafür benutzt wird, nur ungenau festgelegt werden, wie weit der Tumor vom Darmausgang entfernt ist. Dazu dient die starre Rektoskopie, die bei einem Rektumkarzinom laut Meinung der Experten zur Planung der Behandlung durchgeführt werden sollte. Die Ärztin oder der Arzt führt dabei ein circa zwei Zentimeter dickes, etwa 20 bis 30 Zentimeter langes Rohr in Ihren Enddarm und misst den Abstand vom Tumorunterrand zu der Linie, an der die Schleimhaut des Rektums in die äußere Haut übergeht. Von einem Rektumkarzinom spricht man nur dann, wenn der untere Rand des Tumors 16 Zentimeter oder weniger von dieser Linie entfernt ist. Ungefähr eine Stunde vor der Untersuchung erhalten Sie ein Zäpfchen oder Klistier als Abführmittel – mehr Vorbereitung ist nicht nötig.

Magnetresonanztomografie (MRT)

Um festzustellen, wie tief ein Rektumkarzinom in die Wand des Dickdarms hineingewachsen ist, sollte eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Bereiches durchgeführt werden. Ähnlich wie bei der Computertomografie errechnet ein Computer hier Schnittbilder, die allerdings ohne Röntgenstrahlen, sondern mit Hilfe von Magnetfeldern entstehen. Die Schaltung der Magneten verursacht Lärm, die man über Kopfhörer mit Musik oder mit Ohrstöpseln gut dämpfen kann. Wegen des Magnetismus darf man mit Schrittmachern, Insulinpumpen und Nervenstimulatoren oder Metallimplantaten nur nach ausgiebiger Prüfung ins MRT. Bitte teilen Sie dies dem Personal mit. Während der Untersuchung liegen Sie in einer Röhre. Deren Durchmesser ist relativ groß, manche Menschen empfinden die Enge aber als unangenehm. Sprechen Sie den Untersuchenden darauf an. Es gibt viele Methoden und Hilfsmittel, um eine leichte Angst vor der Enge zu überwinden. Die CT kann laut Leitlinie für diese Frage als Alternative zur MRT eingesetzt werden.

Endosonografie

Bei manchen Patientinnen und Patienten mit einem kleinen Rektumkarzinom vermutet man, dass der Tumor nur in die Darmschleimhaut eingedrungen und nicht tiefer gewachsen ist. Eventuell kann man dann auf eine große Operation verzichten, und es reicht, den Tumor von innen her abzutragen. Um dies zu untersuchen, sollte eine Endosonografie erfolgen. Eine Endosonografie funktioniert so wie die Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes, nur wird ein besonderer, dünner Schallkopf in den Enddarm geführt und untersucht Sie „von innen“. In Einzelfällen nützliche Untersuchungen Andere Untersuchungen als die oben beschriebenen sind in der Regel bei Darmkrebspatienten nicht sinnvoll. In Ausnahmefällen kann eine Sphinktermanometrie hilfreich sein. Sie misst den Druck des Schließmuskels. Dieser Test wirkt sich normalerweise nicht darauf aus, ob bei der Operation der Schließmuskel erhalten bleibt oder nicht. Orientierend hat Ihre Ärztin oder Ihr Arzt die Sphinkterfunktion ja schon bei der rektal-digitalen Untersuchung geprüft. In unklaren Fällen kann die Sphinktermanometrie hinzugezogen werden.

Steckbrief des Tumors

Nachdem die notwendigen Untersuchungen durchgeführt wurden, können Ihre Ärztinnen und Ärzte die Ausbreitung des Karzinoms genauer beschreiben, was für die Behandlung entscheidend ist. Für die Einteilung benutzen Mediziner zwei Klassifikationen, die international gültig sind und von allen Ärztinnen und Ärzten verstanden werden:

Tumorkonferenz

Wenn Sie sich in einem zertifizierten Darmkrebszentrum behandeln lassen, wird Ihre Behandlung in einer Tumorkonferenz besprochen. An dieser nehmen die Spezialisten verschiedener Fachrichtungen teil und versuchen gemeinsam, auch vor dem Hintergrund von Begleiterkrankungen, die bestmögliche Behandlung für Sie zu finden. Solche Tumorkonferenzen finden auch in anderen Kliniken statt, sie sind dort aber nicht unbedingt vorgeschrieben. Nach Meinung der Experten soll das weitere Vorgehen für alle Menschen mit Rektumkarzinomen vor einer Behandlung in einer Tumorkonferenz besprochen werden und für alle Menschen mit Kolonkarzinomen nach einer Operation.

Bevor nicht alle relevanten Untersuchungen abgeschlossen sind, können die notwendigen Behandlungsmaßnahmen noch nicht festgelegt werden.



Letzte Aktualisierung:
31.01.2020

(29) Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Patientenleitlinie Darmkrebs im frühen Stadium. Berlin, Stand: Juli 2014.
(30) Deutsche Krebsgesellschaft: Basisinformationen Krebs. Darmkrebs. Online unter: https://krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/darmkrebs/darmkrebs-basis-infos-fuer-patienten.html. Berlin. Zuletzt eingesehen am 31.01.2020.
(31) Krebsinformationsdienst des dkfz: Darmkrebs.Online unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/darmkrebs/index.php. Heidelberg. Zuletzt eingesehen am 31.01.2020.
(32) Dobroschke J et al.: Kolorektales Karzinom. Gelb-grüne Reihe Nr. 29 der Sächsischen Krebsgesellschaft e.V. Zwickau, 2013.
(33) Deutsche Krebshilfe: Darmkrebs. Die blauen Ratgeber Nr. 06. Bonn, 2018.

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