Nachsorge bei Darmkrebs

Auch wenn Ihre Behandlung zunächst abgeschlossen ist, macht es in der Regel Sinn, wenn Sie weiterhin ärztlich betreut werden. Wer Ihre Ansprechpartnerin oder Ihr Ansprechpartner ist, sollten Sie früh genug klären. In Frage kommen zum Beispiel Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt oder auch spezialisierte niedergelassene Fachärzte für Innere Medizin (Onkologen oder Gastroenterologen).

Wie intensiv diese Nachbetreuung sein wird, kann sehr verschieden sein. Grundsätzlich besteht in den ersten fünf Jahren nach der Behandlung ein erhöhtes Risiko, dass der Tumor erneut auftritt (Lokalrezidiv) oder sich Metastasen entwickeln, zum Beispiel in der Leber oder der Lunge. Wie hoch dieses Risiko ist, hängt unter anderem davon ab, wie fortgeschritten der Tumor war. In den ersten zwei Jahren nach der Operation ist das Risiko am höchsten, nach fünf Jahren treten so gut wie keine neuen Rezidive oder Metastasen mehr auf.

Ziel der Nachsorge ist es, Rezidive, Metastasen sowie Zweittumore im Darm möglichst früh zu erkennen, damit man sie so früh wie möglich entfernen kann. Eventuelle Beschwerden, die durch die Operation Ihres Dickdarmkrebses entstanden sind, sollen behandelt und Ihre Lebensqualität verbessert werden. Sagen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt auch, wenn Sie sich psychisch belastet fühlen. Sie oder er sollte Sie auf Angebote zur psychischen Unterstützung hinweisen.

Studien zeigen, dass Patienten mit einer intensiven Nachsorge länger leben als Patienten ohne solch eine Betreuung. Im Einzelfall kann es dennoch immer wieder gute Gründe geben, von den Empfehlungen abzuweichen. Eine Altersgrenze für Nachsorgeuntersuchungen sieht die ärztliche Leitlinie ausdrücklich nicht vor. An den Studien zur Nachsorge haben Menschen teilgenommen, die 87 Jahre alt waren. Ob Sie Untersuchungen durchführen lassen oder nicht, sollte nicht von Ihrem Alter abhängen, sondern davon, wie es Ihnen geht und ob vielleicht andere Erkrankungen im Vordergrund stehen. Wichtig ist auch, welche Folgen die Untersuchungen und ihre Ergebnisse haben. Wenn Sie zum Beispiel sicher sind, dass Sie keine weitere Behandlung von eventuellen Lebermetastasen möchten, brauchen Sie normalerweise keine Sonografie des Bauchraumes. Besprechen Sie dies ruhig mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Nachsorge im Stadium UICC I

Auch für die Betroffene im Stadium UICC I ist das Arztgespräch wichtig, um zum Beispiel Folgen der Behandlung zu erörtern. Wenn der Tumor radikal operiert wurde, kann aber auf intensive Nachsorgeuntersuchungen nach einem festen Schema verzichtet werden, denn: Bei Menschen mit Darmkrebs in diesem frühen Stadium wächst der Tumor nur sehr selten wieder nach, und ebenso selten treten Tochtergeschwülste auf. Die Prognose ist sehr gut: Nach einer Untersuchung lebten fünf Jahre nach dem Entfernen des Tumors von 100 Erkrankten noch 86 – und in den meisten Fällen war der Tumor nicht die spätere Todesursache. Wenn der Tumor allerdings örtlich, etwa mittels Endoskopie, entfernt und nicht radikal operiert wurde, sollten die Ärzte mit diesen Patienten individuell besprechen, ob intensivere und regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen notwendig sind. In Abständen von fünf Jahren sollten Betroffene im Stadium UICC I eine Darmspiegelung erhalten. Grund dafür ist, dass Menschen, die schon einmal Darmkrebs hatten, ein erhöhtes Risiko dafür haben, an einer anderen Stelle im Darm einen zweiten Tumor zu entwickeln.

Nachsorge im Stadium UICC II und III

Zwar fehlen exakte Studien über die Art und Häufigkeit von Nachsorgeuntersuchungen. Die Experten der ärztlichen Leitlinie legen sich trotzdem auf folgendes Schema fest. Natürlich kann es auch hier immer Anlässe geben, davon abzuweichen.

Übersicht: Untersuchungen im Rahmen der Nachsorge bei Darmkrebs im Stadium UICC II und III

Gespräch
Ein Gespräch darüber, wie es Ihnen geht und ob neue Beschwerden aufgetreten sind, gehört zu jeder Nachsorgeuntersuchung dazu, ebenso eine orientierende körperliche Untersuchung durch Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Blutwerte
Ihre Blutwerte müssen laut der Leitlinie nicht routinemäßig untersucht werden. Die einzige Ausnahme bildet das Carcino Embryonales Antigen (CEA). Steigt es an, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass der Tumor wieder gewachsen ist. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt sollten dann weitere Untersuchungen veranlassen, zum Beispiel eine Darmspiegelung. Allerdings ist auf das CEA nicht immer Verlass: Ein Drittel der Darmkarzinome bildet diesen Tumormarker überhaupt nicht.

Ultraschalluntersuchung
Die Ultraschalluntersuchung (Sonografie) des Bauchraumes wird von den Experten der Leitlinie empfohlen, um damit möglichst früh eventuelle Tochtergeschwülste in der Leber zu entdecken. Zwar sagen Studien nicht eindeutig, ob und wie gut sich die regelmäßige Ultraschalluntersuchung auf das Überleben von Darmkrebspatienten auswirkt. Da es aber ein sehr einfaches und für Sie wenig belastendes Verfahren ist, halten es die Experten der Leitlinie für geeignet.

Röntgenaufnahmen
Regelmäßige Röntgenaufnahmen der Lunge können laut Leitlinie bei Menschen mit Rektumkarzinomen durchgeführt werden, um möglichst früh Tochtergeschwulste in der Lunge zu entdecken, die sich dann hoffentlich noch operieren lassen. Für Menschen mit Kolonkarzinomen ist noch nicht klar, ob regelmäßige Röntgen- Thorax-Aufnahmen das Gesamtüberleben wirklich steigern. Für diese Personen wird die Untersuchung deshalb nicht empfohlen.

Darmspiegelung
Eine komplette Darmspiegelung sollten alle Patientinnen und Patienten entweder vor der Operation erhalten oder in den sechs Monaten danach. Ein Jahr später sollte die Koloskopie erneut erfolgen. Einmal, weil Ärztinnen und Ärzte so beurteilen können, ob der Tumor an der ursprünglichen Stelle wieder aufgetreten ist. Zum Zweiten lassen sich so eventuell neu aufgetretene Tumore entdecken, für die alle Darmkrebspatienten ein erhöhtes Risiko besitzen. Wenn die Darmspiegelung unauffällig gewesen ist, sollte die nächste in fünf Jahren erfolgen und bei einem unauffälligen Ergebnis alle fünf Jahre wiederholt werden.

Nachsorge bei fortgeschrittenem Darmkrebs

Durch die Nachbetreuung sollen auch bei der Nachsorge beim fortgeschrittenen Darmkrebs:

  • Nebenwirkungen und Folgen der Behandlung erkannt und behandelt werden, zum Beispiel die Folgen einer Operation,
  • rechtzeitig verschiedene Unterstützungsangebote angeboten werden, etwa Hilfe bei psychischer Belastung,
  • Ihnen bei Bedarf bestimmte Therapien oder Leistungen zur Verfügung stellen, die Ihnen helfen und Ihre Lebensqualität verbessern können und
  • ein Wiederauftreten oder ein weiteres Fortschreiten des Tumors erkannt werden.

Es konnten für die Leitlinie keine hochwertigen Studien gefunden werden, die Untersuchungen oder Zeitabstände für die Nachsorge von Menschen mit Darmkrebs im späten Stadium gezielt mitein- ander verglichen haben. Wie intensiv die Nachbetreuung sein wird, kann von Patient zu Patient sehr verschieden sein. Sie richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen und dem Krankheitsverlauf.

In der Regel gehört zu einer Nachsorgeuntersuchung ein Gespräch darüber, wie es Ihnen geht, ob neue Beschwerden aufgetreten sind, ebenso eine orientierende körperliche Untersuchung durch Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Sie oder er beurteilt dabei auch Ihren Ernährungszustand.

Bei einer Blutentnahme kann das Carcinoembryonale Antigen (CEA) untersucht werden. Steigt es an, ist dies möglicherweise ein Hinweis darauf, dass der Tumor oder die Metastasen wieder ge- wachsen sind. Allerdings ist auf das CEA nicht immer Verlass. Ein Drittel der Dickdarmkarzinome bildet diesen Tumormarker über- haupt nicht.

Zur Kontrolle der Leber kann bei einer Nachsorgeuntersuchung eventuell auch eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes durchgeführt werden.

Was kann ich selbst tun?

Neben einer gesunden Ernährung, Nichtrauchen und keinem bzw. maßvollem Alkoholgenuss empfiehlt die Patientenleitlinie Darmkrebs:

Geduld mit sich selbst haben
Nach einer Operation braucht Ihr Körper Zeit für die Genesung. Haben Sie Geduld mit sich und setzen Sie sich nicht unnötig unter Druck. Erwarten Sie nicht, sofort wieder voll leistungsfähig und einsatzbereit zu sein.

Austausch mit anderen
Eine Krebserkrankung kann eine besondere seelische Belastung sein. Unabhängig davon, ob Sie psychoonkologische Unterstützung annehmen: Haben Sie keine Scheu, mit Ihren Verwandten, Freunden, Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder auch mit anderen Betroffenen, zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe, über Ihre Situation zu sprechen.

Lebenspartner und Familie
Ihre Erkrankung kann auch bei Ihrer Partnerin oder Ihren Partner und Ihrer Familie Unsicherheit und Angst auslösen. Es kann sein, dass man Sie übermäßig beschützen will. Oder Ihre Familie kann mit Ihrer Erkrankung nicht umgehen und nimmt eine abwehrende Haltung ein oder überfordert Sie. Nicht alle Belastungen kann man aus der Welt schaffen, aber Sie und Ihre Familie können von- und miteinander lernen, damit umzugehen. Es hilft, wenn Sie offen sind: Geben Sie zu erkennen, wie Sie sich fühlen und was Ihnen gut tut und was nicht.

Kinder
Die veränderte Situation stellt Sie auch vor neue praktische Aufgaben. Haushalt und Kinderbetreuung sind zu organisieren, eventuell finanzielle Fragen zu klären, der Tagesablauf neu zu planen. Wenn ein Elternteil an Krebs erkrankt, brauchen Kinder besonders viel Fürsorge. Sie spüren häufig sehr genau, dass „etwas nicht in Ordnung“ ist. Sprechen Sie daher mit Ihrem Kind über die Erkrankung. So können Sie auch vermeiden, dass es von anderer Seite erfährt, dass Sie sehr krank sind. Wann der richtige Zeitpunkt dafür ist, lässt sich nicht allgemeingültig sagen. Leichter kann es sein, wenn Sie und Ihre Partnerin oder Ihr Partner gemeinsam mit den Kindern sprechen. Die Deutsche Krebshilfe bietet zum Thema Hilfen für Angehörige einen ausführlichen Ratgeber an, der auch auf die spezielle Situation der Kinder eingeht. Beratung ist auch in Krebsberatungsstellen möglich.

Freunde und Bekannte
Nicht trotz, sondern gerade wegen der Krankheit kann Ihnen der Kontakt zu Freunden und Bekannten gut tun. Wenn Sie sich dauerhaft zurückziehen, wird der Alltag vielleicht noch schwerer oder bedrückender. Anders als Ihre Familie sind Freunde und Bekannte, die man seltener sieht, mit Ihren Beschwerden nicht so vertraut. Sagen Sie Ihren Freunden klar, was Sie können und was nicht. Missverständnisse können Sie vermeiden, indem Sie zum Beispiel klar darüber sprechen, wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen eine Verabredung nicht einhalten können. Vielleicht erhalten Sie häufiger Ratschläge zur Lebensführung oder Therapievorschläge. Das ist sicher gut gemeint. Es gibt aber keine Wundermittel. In Fragen der Behandlung sollten Sie eher Ihren Ärztinnen und Ärzten vertrauen und vor allem: Besprechen Sie alle erhaltenen oder selbst entdeckten Therapievorschläge mit ihnen.

Arbeitsplatz
Ihre Erkrankung kann aus Ihrer beruflichen Tätigkeit nicht ausgeklammert werden. Nicht immer werden Sie Ihre bisherige Arbeit wieder aufnehmen können, viele Menschen sind nicht mehr so belastbar wie früher. Wenn Sie mit Kollegen oder Vorgesetzten offen über Ihre Erkrankung sprechen, können diese Sie besser verstehen. Überfordern Sie sich nicht am Arbeitsplatz, um im normalen Arbeitsprozess mithalten zu können. Aber: Der offene Umgang mit der Krankheit am Arbeitsplatz kann unter Umständen zwiespältig sein. In einem Arbeitsumfeld, das durch Misstrauen oder Druck geprägt ist, können auch Nachteile für Sie entstehen. Ihr Arbeitgeber hat juristisch gesehen kein Recht zu erfahren, an welcher Krankheit Sie leiden. Wägen Sie ab, wie viel Offenheit Ihnen nutzt.



Letzte Aktualisierung:
31.01.2020

Referenzen:
(57) Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Patientenleitlinie Darmkrebs im frühen Stadium. Berlin, Stand: Juli 2014.
(58) Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Patientenleitlinie Darmkrebs fortgeschrittenen Stadium. Berlin, Stand: Dezember 2014.
(59) Sächsische Krebsgesellschaft e.V.: Material Onkolotse, Darmkrebs. Sächsische Krebsgesellschaft, 2011.

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