Begleit- und Folgeerscheinungen

Besonders bei ausgedehnten Befunden mit Befall der umliegenden Lymphknoten ist es nicht immer möglich, die betreffenden Gefäß-Nerven-Bündel zu schonen. Zwar wird kontinuierlich an der Verbesserung der Therapiemethoden gearbeitet, dennoch lassen sich daraus resultierende unerwünschte Folgeerscheinungen wie Inkontinenz (unkontrollierter Harnverlust) sowie Impotenz (Potenzprobleme) nicht immer vermeiden.

Inkontinenz

Inkontinenz äußert sich normalerweise dadurch, dass geringe Urinmengen unkontrolliert austreten – vor allem unter körperlicher Belastung, beim Husten, Niesen oder Pressen, also bei erhöhtem Druck im Bauchraum. Man spricht auch von einer Stress- oder Belastungsinkontinenz.

Inkontinenz ist eine häufige Nebenwirkung nach der therapeutischen Behandlung. In der Regel ist es möglich, diese Störung durch eine konsequente Beckenbodengymnastik zu beheben. Dazu muss die Muskulatur des Beckenbodens trainiert werden. Damit sollte ein Mann am besten schon vor der Behandlung beginnen, raten Experten. Er lernt die Übungen so leichter und kann sie nach dem Eingriff gleich anwenden. Unter Anleitung eines Krankengymnasten können Sie die Übungen erlernen und später selbständig ausführen.

Der unkontrolliert abgehende Urin kann bis zur Wiedererlangung der Kontinenz in saugfähigen Einlagen aufgefangen werden. Wie schnell dies geht, ist von Mann zu Mann unterschiedlich. Bei manchen Betroffenen dauert es wenige Wochen, bei anderen auch Monate. Nach einem Jahr hat jedoch die überwiegende Mehrheit der Männer keine Inkontinenz-Probleme mehr. In einigen Fällen besteht jedoch das Risiko, dass die Inkontinenz länger als ein Jahr bestehen bleibt. Hier kann ein künstlicher Schließmuskel eingesetzt werden.

Impotenz

Eine häufige Folge der Behandlung von Prostatakrebs ist Impotenz (Erektionsstörungen), da Nerven verletzt werden können, die für die Erektion wichtig sind. Diese Nerven laufen direkt an der Prostatakapsel entlang und können während der Behandlung nicht immer geschont werden. Erhalten bleiben die sexuelle Lust bis hin zu der Fähigkeit, einen Orgasmus zu fühlen. Aber die Versteifungsfähigkeit des Gliedes ist gestört.

Besteht nach der Erholung von der therapeutischen Behandlung wieder der Wunsch nach Sexualität, so können Sie mit Ihrem Arzt über verschiedene Therapien zur Behebung der so genannten erektilen Dysfunktion (Impotenz) sprechen. Zur möglichst frühzeitigen Wiederherstellung der Gliedsteife können folgende Verfahren eingesetzt werden:

„SKAT“: Bei der Schwellkörperautoinjektionstherapie (SKAT) werden gefäßerweiternde Medikamente, die eine Erektion auslösen, vom Patienten in den Schwellkörper gespritzt.

Medikamente: Die Einnahme von Tabletten ist eine weitere Möglichkeit. Damit kann bereits einige Wochen nach der Behandlung begonnen werden.

Vakuumpumpe: Durch die Anwendung einer Vakuumpumpe, die auf den Penis aufgesetzt wird, wird ein Blutstau im Penis und somit eine Versteifung erzeugt. Ein um die Peniswurzel gestreifter Gummiring hält die Erektion aufrecht.

Penisprothese: Wirken die vorgenannten Methoden nicht, so kann eine Penisprothese eingepflanzt werden. Dazu ist ein operativer Eingriff nötig. Hierbei wird jedoch weitgehend das Schwellkörpergewebe zerstört, was nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Heute werden fast nur noch mehrteilige und hydraulische Prothesen verwendet. Hydraulische Implantate haben den Vorteil, dass der Penis nicht dauerhaft steif ist. Von einem kleinen Flüssigkeitsreservoir im Bauchraum aus wird Flüssigkeit in den künstlichen Schwellkörper gepumpt. Diese künstlich erzeugte Erektion ähnelt sehr der natürlichen.

Zusammen mit Ihrer Partnerin und Ihrem behandelnden Urologen sollten Sie offen über dieses Thema reden.

Referenz:
Dr. phil. Holze, Sigrun, Dipl.Psych. Gansera, Lutz & Prof. Dr. med. habil. Stolzenburg, Jens-Uwe (2009). Prostatakrebs (Grün-Gelbe Reihe der SKG, Nr. 10). Zwickau: Sächsische Krebsgesellschaft e.V.