Früherkennung bei Brustkrebs

Brustkrebs ist mit 68.950 Neuerkrankungen im Jahr die häufigste Krebsart bei Frauen (Schätzung Robert Koch-Institut (RKI) für 2020: 69.700 Neuerkrankungen). Eine von 8 Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens daran. Besonders betroffen sind vor allem Frauen über 55. Fast drei von zehn betroffenen Frauen sind bei der Diagnose jedoch heute bereits jünger als 55 Jahre. Bei regelmäßiger Vorsorge kann ein Großteil der Brustkrebs-Erkrankungen rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Darüber hinaus konnten in den letzten Jahren durch Fortschritte in der Therapie zusätzlich die Überlebenschancen der betroffenen Frauen deutlich verbessert werden. Dies führte zu einem Rückgang der Sterberaten.

Das gesetzliche Früherkennungsprogramm bietet Frauen ab 30 Jahren die Möglichkeit einer jährlichen Tastuntersuchung beim Arzt. Darüber hinaus werden Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre zu einer Röntgenuntersuchung der Brust eingeladen (Mammographie). Dieses Mammographie-Screening ist ein Programm zur Früherkennung von Brustkrebs bei Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, die noch keine Symptome aufweisen. Es ist eine Röntgenuntersuchung der weiblichen Brust, die schon sehr kleine, nicht tastbare Tumoren in einem frühen Stadium sichtbar machen kann. Ziel des Programmes ist es, Brustkrebs in einem möglichts frühen Stadium zu entdecken, in dem der Tumor noch klein ist und die Lymphknoten noch nicht befallen sind. Gelingt dies, so haben Frauen laut Kooperationsgemeinschaft Mammographie die Chance auf eine günstige Prognose, schonendere Behandlung und darauf, vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt zu werden. Laut RKI wird zwar erst in einigen Jahren wirklich beurteilbar sein, inwieweit das Screening eine weitere Verringerung der Sterberaten bewirken kann. Es sei jedoch bereits heute erkennbar, dass in der betreffenden Altersgruppe inzwischen weniger Frauen an fortgeschrittenen Tumoren erkranken als vor der Einführung des Mammographie-Screening-Programms.

Jede Frau kann darüber hinaus auch selbst dazu beitragen, eine mögliche Brustkrebs-Erkrankung frühzeitig zu entdecken. Durch regelmäßiges Abtasten der Brust lernen Sie, in der Zeit zwischen den Vorsorgeterminen eventuelle Veränderungen, die auf eine Erkrankung hindeuten könnten, zu erkennen. Sollten Sie eine Veränderung ertasten, müssen Sie aber nicht in Panik geraten: 4 von 5 Knoten sind gutartig! Suchen Sie bei Auffälligkeiten jedoch immer Ihren Frauenarzt auf und bitten Sie um eine eingehende Untersuchung. Denn: Sicher ist sicher!

Neben einem ertasteten Knoten gibt es weitere Hinweiszeichen, die auf eine mögliche Brustkrebserkrankung aufmerksam machen können. Gehen Sie bei diesen Anzeichen bitte zu Ihrenm Arzt und lassen ihn diese abklären. Oft stecken hinter ihnen harmlose Ursachen. Falls nicht, hat ein frühzeitig entdeckter Tumor aber bessere Heilungschancen.

Checkliste
Gehen Sie bei diesen Anzeichen zu Ihrem Arzt:

  • Eine Brust zieht, schmerzt oder schwillt an.
  • Eine Brust hat sich im Umfang, in der Form und in der Lage verändert.
  • Die Haut einer Brust hat sich verändert oder es besteht eine unklare Rötung.
  • Die Haut sieht an einer Stelle der Brust wie eine Orange aus („Orangenhaut“) oder schwillt an.
  • Eine Brust weist Einziehungen oder Vorwölbungen auf.
  • Eine Brustwarze zieht sich nach innen oder verändert sich auf andere Weise.
  • Aus der Brustwarze sondert sich Flüssigkeit ab.
  • Sie ertasten in einer Brust, um den Warzenhof oder in den Achselhöhlen Knoten.
  • Sie verlieren aus unerklärlichen Gründen an Gewicht.
  • Eine Brust verändert auf einmal ihre Form oder Größe.
  • Beim Heben der Arme verformt sich eine Brust anders als die andere; •

Die Brustkrebsfrüherkennung umfasst in der Regel drei Verfahren:

Welche Chancen bietet die Krebsfrüherkennung (BVF/DGGG)

  • Sie haben die Chance, dass bei ihnen auf Grund der regelmäßigen Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen, bestimmte Krebsvorstufen oder eine Krebserkrankung rechtzeitig entdeckt werden, so dass die Behandlung beginnen kann, bevor sich die Krankheit im Körper ausbreitet.
  • Durch eine frühzeitige Erkennung werden die Heilungschancen deutlich erhöht.
  • Eine frühzeitige Erkennung von Krebserkrankungen geht meist mit weniger belastenden Therapieverfahren einher.
  • Ein negatives Testergebnis und damit eine gute Gewissheit, dass Sie gesund sind, kann Ihnen ein positives Lebensgefühl vermitteln.
  • Sie übernehmen eine Vorbildfunktion für andere, wie zum Beispiel Ihren Partner, und motivieren dazu, ebenfalls die Vorsorgeuntersuchungen wahr zu nehmen.
  • Sollte trotz einer Früherkennungsuntersuchung eine Krebserkrankung auftreten, ist die Wahrscheinlichkeit eines Frühstadiums sehr hoch. Sie müssen sich nicht vorwerfen, die Chancen einer Früherkennung ungenutzt gelassen zu haben.

Trotz der beschriebenen Vorteile werden Früherkennungs-Untersuchungen durchaus kritisch betrachtet, denn sie können auch Nachteile haben. Daher ist es aus Sicht der DKH sinnvoll, für jedes Verfahren die Vorteile den Nachteilen gegenüberzustellen und gegeneinander abzuwägen, um dann zu entscheiden, ob Sie an dieser Krebsfrüherkennungsuntersuchung teilnehmen möchten oder nicht. Dabei hat die DKH die folgenden Kernfragen für Ihre individuelle Bewertung zusammengestellt:

  1. Wie groß ist mein persönliches Risiko, an dieser betreffen- den Krebsart zu erkranken?
  2. Wie oft kommt es vor, dass die Untersuchungsmethode eine bereits bestehende Krebserkrankung wirklich erkennt („richtig-positives Ergebnis”)?
  3. Wie oft kommt es vor, dass die Untersuchungsmethode eine bereits bestehende Krebserkrankung nicht erkennt („falsch-negatives Ergebnis”)?
  4. Wie oft ergibt der Test einen Krebsverdacht, obwohl keine Krebserkrankung vorliegt („falsch-positives Ergebnis”)?
  5. Wenn dieser Tumor früh erkannt wird, sind dann die Heilungsaussichten tatsächlich besser, als wenn er später entdeckt würde?
  6. Wie viele Teilnehmerinnen an dieser Früherkennungs-Untersuchung tragen Schäden durch die Untersuchung davon?
  7. Wie bei jeder Früherkennung gibt es das Problem der sogenannten Überdiagnose. Welche Nachteile kann diese mit sich bringen?

Frauen mit genetischer Vorbelastung

Eine engmaschigere Betreuung (als oben beschrieben) ist für Frauen vorgesehen, in deren Familien gehäuft Brustkrebs in jungem Alter vorkommt und bei denen eine genetische Veränderung im BRCA1- oder BRCA2-Gen nachgewiesen wurde. Hier empfehlen die Experten, bereits ab dem 25. Lebensjahr oder 5 Jahre vor dem jüngsten Erkrankungsalter in der Familie alle sechs Monate eine Tast- und Ultraschalluntersuchung und einmal pro Jahr eine Kernspintomografie durchzuführen. Ergänzend soll bei diesen Frauen ab dem 40. Lebensjahr ein- bis zweijährlich eine Mammografie vorgenommen werden.

Achtung: Etwa 1 % aller Neuerkrankungen der Brust betrifft Männer. Nach aktuellen Schätzungen des RKI sind dies 710 Fälle pro Jahr (Stand 2016). Für das Jahr 2020 werden 750 Brustkrebsfälle beim Mann prognostiziert. Diese werden oft leider erst sehr spät entdeckt.



Letzte Aktualisierung:
31.01.2020

Referenzen:
(8) Krebs in Deutschland für 2015/2016. 12. Ausgabe. Robert Koch-Institut (Hrsg) und die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (Hrsg). Berlin, 2019
(9) Kooperationsgemeinschaft Mammographie: Das Mammographie-Screenings-Programm. Online unter: https://www.mammo-programm.de/. Zuletzt eingesehen am 31.01.2020.
(10) Frauenärzte im Netz (BVF/DGGG): Möglichkeiten der Krebsprävention. Online unter: https://www.frauenaerzte-im-netz.de/frauengesundheit/krebsfrueherkennung-kfu/. Zuletzt eingesehen am 30.01.2020.
(11) „Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Patientenleitlinie Brustkrebs im frühen Stadium. Berlin, Stand: Dezember 2018.
(12) Deutsche Krebsgesellschaft: Basisinformationen Krebs. Brustkrebs - Früherkennung und Vorsorge. Online unter: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/brustkrebs/frueherkennung.html. Berlin. Zuletzt eingesehen am 31.01.2020.
(13) Krebsinformationsdienst des dkfz: Brustkrebs. Früherkennung durch Abtasten und Mammographie. Online unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/brustkrebs/frueherkennung.php. Heidelberg. Zuletzt eingesehen am 31.01.2020.
(14) Deutsche Krebshilfe: Brustkrebs. Die blauen Ratgeber Nr. 02. Bonn, 2019.
(15) Prof. Dr. med. habil. Ursula G. Froster: Krebs - Eine Familienangelegenheit. In: Gelb-grüne Reihe Nr. 50 der Sächsischen Krebsgesellschaft e.V. Zwickau, 2018.

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