Therapie des Brustkrebses

Durch die Therapie soll die Brustkrebserkrankung entweder dauerhaft geheilt werden bzw. - wenn diese nicht mehr möglich ist - der Tumor zumindest „in Schach gehalten“ werden. Unbehandelt breitet sich der Brustkrebs weiter im Körper aus, streut (Metastasen) und führt früher oder später zum Tod der Patienten. Liegen alle Ergebnisse der diagnostischen Untersuchungen vor, können Ihre behandelnden Ärzte Ihre Erkrankung genau beschreiben und die weiteren Behandlungsschritte (Individueller Behandlungsplan) - in Abhängigkeit von Ihrem allgemeinen körperlicher Zustand und Ihren Vorerkrankungen - planen. Dies basiert auf den Informationen zu folgenden Themenbereichen (44):

  • ob ein Krebsherd gefunden wurde oder mehrere,
  • an welcher Stelle sich der Krebs befindet,
  • aus welchem Gewebe der Krebs hervorgeht (z.B. Milchgang oder Drüsenläppchen),
  • ob der Krebs auf die Brust beschränkt oder bereits in umliegendes Gewebe eingewachsen ist,
  • ob sich möglicherweise Krebszellen in umliegende Lymphknoten ausgebreitet haben,
  • ob der Krebs in andere Organe gestreut hat,
  • ob der Krebs empfindlich für weibliche Hormone ist,
  • ob der Krebs HER2-Bindestellen bildet und
  • wie aggressiv der Krebs vermutlich ist.

Auf dieser Basis läßt sich abschätzen, wie Ihre Krankheit verlaufen wird, welche Eingriffe bei Ihnen Vorteile versprechen und welche Maßnahmen unnötig bzw. unnötig belastend sind. In diesem Zusammenhang können Sie Ihren Ärzten vor der Behandlung folgende Fragen stellen, um ein besseres Verständnis über den aktuellen Stand Ihrer Krebserkrankung zu erhalten (44):

  • Haben wir alle wichtigen Untersuchungsergebnisse beisammen?
  • In welchem Stadium befindet sich meine Erkrankung?
  • Kann der Krebs voraussichtlich vollständig entfernt werden?
  • Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
  • Welche Behandlungen kommen für mich in Frage und warum?
  • Welche Vor- und Nachteile haben sie?
  • Welche Auswirkungen hat die Behandlung auf meinen Alltag?
  • Wie viel Zeit habe ich, eine Behandlungsentscheidung zu treffen?
  • Wie geht es nach der Behandlung/dem Aufenthalt im Krankenhaus weiter?
  • Wo kann ich nach der Behandlung Unterstützung und Hilfe erhalten?
  • Wobei können Angehörige und Freunde mich vielleicht unterstützen?

Den Rahmen für die Brustkrebs-Behandlung geben seit einigen Jahren sogenannte Leitlinien vor. Darin fassen Experten regelmäßig zusammen, was an aktuellen Daten zur bestmöglichen Therapie vorliegt. Diese Daten werden bewertet und Empfehlungen abgegeben. Solche Leitlinien können Ärzten und Patientinnen eine Hilfestellung bieten, die bestmögliche Therapie zu finden. Dabei hat die Patientin immer die Möglichkeit - gemeinsam mit den Ärzten - die eigene ganz persönliche Situation zu berücksichtigen und entsprechende Anpassungen durchzuführen.

Für eine wirksame Bekämpfung einer Brustkrebserkrankung ist im Regelfall die Kombination verschiedener Therapieansätze notwendig. Nach wie vor ist eine Operation bei Brustkrebs meist unentbehrlich. Daneben stehen aber noch viele weitere Möglichkeiten zur Verfügung, die abhängig von der genauen Klassifikation des Tumors und in der Regel ergänzend zur Operation durchgeführt werden. Dazu gehören die Therapie mit Hormonen, eine Bestrahlung, die Chemotherapie, die molekularbiologische Therapie.

Darüber hinaus gilt es bei der Therapie eines Lokalrezidivs sowie von Metastasen spezifische Handlungs- und Therapieansätze zu beachten. Ergänzend können Ansätze der Psychoonkologie Betroffenen bei der Bewältigung der Belastungen helfen, die durch eine Krebserkrankung entstehen. Im Vordergrund steht dabei die Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung; entscheidend für das Vorgehen ist dabei das subjektive Erleben des Betroffenen, also seine eigene Einschätzung, wie er sich fühlt.

Adjuvante oder palliative Behandlung

An die Operation schließen sich oft eine Bestrahlung und medikamentöse Therapien an (adjuvante Behandlung). Das Ziel dieser adjuvanten Behandlung ist es, eventuell schon gestreute Tumorzellen zu zerstören und damit eine dauerhafte Heilung zu ermöglichen. Bei Bedarf kann z.B. eine medikamentöse Therapie bereits prä-operativ eingesetzt werden (= neo-adjuvant). Dadurch kann ein Tumor in einzelnen Fällen überhaupt erst operabel gemacht oder so verkleinert werden, dass eine brusterhaltende Therapie möglich ist.

Bei einer fortgeschrittenen Brustkrebserkrankung, bei der keine Aussicht auf vollständige Heilung mehr besteht, behandeln die Ärzte die Patienten palliativ. Der Fokus liegt dabei auf einer Linderung von Symptome, der Beherrschung der weiteren Entwicklung des Tumors (Verzögerung des Fortschreitens) und der Sicherung der Lebensqualität. Mediziner versuchen heute Krebs wie eine chronische Erkrankung behandeln zu können, die mit Hilfe von Medikamente unter Kontrolle gehalten werden kann. Mit den heute zur Verfügung stehenden Mitteln gelingt dies auch bei fortgeschrittenem Brustkrebs oft schon über eine längere Zeit.

Wahl der richtigen Klinik

Nach der Diagnose Brustkrebs bleibt der Patientin im Regelfall genügend Zeit, sich genau über die verschiedenen Kliniken zu informieren und sich dann in Absprache mit ihrem behandelnden Arzt für eine von ihnen zu entscheiden. Nicht jede Klinik ist für die Behandlung von Brustkrebs geeignet. Deshalb sollte nicht die Wohnortnähe ausschlaggebend für die Wahl der Einrichtung sein, sondern die Qualität der Behandlung. Besonders wichtig ist dabei, dass die Einrichtung über hinreichende Erfahrung in der Behandlung von Brustkrebs verfügt. Um unnötige Ortswechsel zu vermeiden, sollten außerdem alle erforderlichen diagnostischen und therapeutischen Fachgebiete im Haus vertreten sein. Zertifizierte Brustkrebszentren, die von der Deutschen Krebsgesellschaft in Zusammenarbeit der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) zertifiziert worden sind, erfüllen diese Kriterien. Sie müssen bestimmten fachlichen Anforderungen genügen und über ein anerkanntes Qualitätsmanagementsystem verfügen. Die Einhaltung der Anforderungen wird jährlich überprüft.

Tumorkonferenz

In Krankenhäusern, die auf die Behandlung von Krebs spezialisiert sind (Brustkrebszentren), gibt es sogenannte Tumorkonferenzen. Dabei kommen in regelmäßigen Abständen Fachärzte aller beteiligten Fachrichtungen sowie Kooperationspartner aus dem niedergelassenen Bereich zusammen und beraten für jede Patientin gemeinsam und ausführlich das weitere Vorgehen. In einer solchen Tumorkonferenz wird das in Ihrem Fall beste Vorgehen besprochen. Dabei werden alle vorliegenden Untersuchungsergebnisse, mögliche weitere Erkrankungen sowie Ihr individueller körperlicher Zustand berücksichtigt. Die Patientenleitlinie zum frühen Brustkrebs empfiehlt, die von der Tumorkonferenz vorgeschlagene Behandlung ausführlich mit Ihren Ärzten zu besprechen. Die endgültige Entscheidung, ob Sie den Behandlungsvorschlag annehmen, liegt immer bei Ihnen (46).

Ärztliche Zweitmeinung

Wenn Sie im Rahmen der Behandlung Zweifel über das weitere Vorgehen haben, sprechen Sie offen mit Ihren behandelnden Ärzten. Weisen Sie dabei auf Ihre Unsicherheit, Ihre Vorstellungen und Wünsche hin. Sollten Ihre Zweifel, ob eine vorgeschlagene Behandlung wirklich geeignet für Sie ist, nicht ausgeräumt werden können oder Sie sich nicht gut beraten fühlen, können Sie auch eine zweite ärztliche Meinung einholen. Sie haben das Recht dazu.

Klinische Studien

Neben der Behandlung mit zugelassenen Therapien besteht für Patientinnen mit Brustkrebs auch die Möglichkeit, an Klinischen Studien teilzunehmen, bei denen neue Medikamente und Therapien getestet werden. Ob es eine geeignete Studie gibt und ob die Teilnahme daran für eine Patientin sinnvoll ist, muss individuell entschieden werden.



Letzte Aktualisierung:
31.01.2020

Referenzen:
(44) Deutsche Krebsgesellschaft: Basisinformationen Krebs. Brustkrebs - Therapieverfahren im Überblick. Online unter: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/brustkrebs/therapie/brust-krebs-therapieverfahren-im-ueberblick.html. Berlin. Zuletzt eingesehen am 31.01.2020.
(45) Deutsche Krebshilfe: Brustkrebs. Die blauen Ratgeber Nr. 02. Bonn, 2019.
(46) „Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Patientenleitlinie Brustkrebs im frühen Stadium. Berlin, Stand: Dezember 2018.
(47) Briest S et al.: Brustkrebs. Grün-gelbe-Reihe Nr. 10 der Sächsischen Krebsgesellschaft e.V. Zwickau, 2018.
(48) Krebsinformationsdienst des dkfz: Behandlungsmöglichkeiten bei Brustkrebs. Online unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/brustkrebs/behandlung-uebersicht.php . Heidelberg. Zuletzt eingesehen am 31.01.2020.

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