Ursachen und Risikofaktoren einer Brustkrebserkrankung

Weshalb Frauen und (in geringerem Maße) auch Männer letztendlich an Brustkrebs erkranken, ist - wie bei den meisten Krebserkrankungen - noch nicht bekannt. Es gibt bei Medizinern jedoch Einigkeit über verschiedene Risikofaktoren, die mit einer Brustkrebserkrankung verbunden sind. Dazu zählen v.a.

Lebensstilbedingte Faktoren

  • Rauchen und Passivrauchen
  • Alkoholkonsum
  • (fettreiche) Ernährung
  • Übergewicht und Diabetes Typ II
  • geringe körperliche Aktivität

Geschlechtsspezifische Faktoren

  • ob, wie häufig und in welchem Alter Frauen Kinder bekommen
  • ob und wie lange die Kinder gestillt wurden
  • Datum des Einsetzens der ersten Menstruation und der Wechseljahren (= Gesamtanzahl der Regelblutungen)

Weitere Faktoren

  • Lebensalter
  • Bestrahlungen des Brustkorbes im Kindes- und Jugendalter (9-18 Jahre, z.B. bei Morbus Hodgkin)
  • hohe mammographische Dichte
  • Vererbung
  • hormonelle Ungleichgewichte bzw. Hormontherapie (Hormonersatztherapie >5 Jahre in den Wechseljahren lässt das Brustkrebsrisiko ansteigen. Nach Absetzen der Hormone, sinkt das Risiko aber innerhalb weniger Jahre wieder auf das durchschnittliche Niveau)

Neben den genannten Risikofaktoren finden Sie im Internet, aber auch in Zeitschriften manchmal Behauptungen, dass Brustkrebs auch durch zu enge BHs, Deos oder auch Schwangerschaftsabbrüche ausgelöst werden könne. Dabei handelt es sich jedoch um sogenannte „Krebsmythen“, die jeglicher wissenschaftlicher Grundlage entbehren.

Die deutsche Krebshilfe hat in diesem Zusammenhang eine Checkliste erstellt, die Ihnen erste verlässliche Anhaltspunkte bietet, ob für Sie ein erhöhtes Risiko besteht, an Brustkrebs zu erkranken. Sollten ein oder mehrere Risikofaktoren auf Sie zutreffen, so bedeutet dies natürlich nicht, dass Sie auch definitiv an Brustkrebs erkranken werden. Diese Überlegungen sollten jedoch beim Entscheid zur Teilnahme an einer Früherkennungsuntersuchung eine Rolle spielen.

Checkliste 1
Es besteht für Sie ein erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, …

  • wenn Sie älter als 50 Jahre sind (allgemeinesAltersrisiko)
  • wenn nahe Verwandte (Mutter / Schwestern) bereits Brustkrebs hatten
  • wenn Sie selbst früher schon einmal an Brustkrebs erkrankt waren
  • wenn Sie eine bestimmte Art der Veränderung des Drüsengewebes haben(atypisch proliferierende Mastopathie). Dies ist anzunehmen, wenn
    • beim Abtasten eine besonders knotige Brustdrüsenveränderung festgestellt wurde,
    • in der Mammographie zahlreiche Mikroverkalkungen gefunden worden sind oder
    • eine operative Gewebeprobe mikroskopische Zeichen für ein erhöhtes Entartungsrisiko ergeben hat
  • wenn Sie mit einer Hormonersatztherapie behandelt werden / wurden
  • wenn Sie übergewichtig sind und sich zu wenig bewegen
  • wenn Sie zuviel Alkohol trinken (Obergrenze für Frauen bei 10 Gramm Alkohol pro Tag = 125 ml Wein oder 250 ml Bier)
  • wenn Sie aktiv oder passiv rauchen

Was können Sie selbst tun, um Ihr persönliches Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, zu senken?

  • Regelmäßige Bewegung.
  • Normales Körpergewicht halten.
  • Kein/wenig Alkohol trinken.
  • Nicht rauchen.

Während in den meisten Fällen Krebserkrankungen spontan neu entstehen und vorwiegend ältere Familienangehörige betroffen sind, gibt es Familien, in denen Krebs besonders häufig oder in jungem Alter, gelegentlich sogar schon im Kindesalter, auftritt. In diesen Familien können erbliche Veränderungen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, wesentliche Ursache für das Entstehen von Krebserkrankungen sein. Bei etwa 3 von 10 Frauen kommt Brustkrebs familiär gehäuft vor. Aber nur bei ungefähr 5 bis 10% der Fälle, in denen Frauen an Brustkrebs erkranken, liegt eine erbliche Belastung vor. Diese Frauen sind jünger, wenn die Krankheit ausbricht, und / oder es sind mehrere Familienmitglieder betroffen. Treten in einer Familie Brust- und Eierstockkrebs gehäuft, so kann für Ratsuchende eine genetische Beratung in einer Spezialsprechstunde für familiären Brust- und Eierstockkrebs hier Klarheit bringen, ob eine erbliche Belastung vorliegt. Bestätigt sich der Verdacht kann den betroffenen Patienten z.B. die Teilnahme an einer sogenannten intensivierten Früherkennung für Brustkrebs angeboten werden.

Eine weitere, noch etwas differenziertere Checkliste bietet die Deutsche Krebsgesellschaft e.V.:

Risiko-Checkliste Brustkrebs 2
Wenn Sie mindestens zwei Fragen aus Checkliste A oder mindestens eine Frage aus Checkliste B mit ja beantwortet haben, sollten Sie die Früherkennungs-Untersuchungen besonders ernst nehmen.

Risiko Check A

  • Waren Sie bei der ersten Regelblutung jünger als 12 Jahre?
  • Waren Sie bei der letzten Regelblutung älter als 52 Jahre?
  • Sind Sie kinderlos?
  • Haben Sie Ihr erstes Kind erst mit über 30 bekommen?
  • Haben Sie nicht gestillt?
  • Sind Sie eindeutig übergewichtig?
  • Haben Sie normalerweise wenig Bewegung?
  • Trinken Sie reichlich Alkohol (regelmäßig mehr als ein kleines Glas Bier oder Wein pro Tag)?
  • Haben Sie mindestens fünf Jahre lang Hormone gegen Wechseljahrsbeschwerden genommen?
  • Verhüten Sie mit der Pille?

Risiko Check B

  • Haben oder hatten Sie schon Brustkrebs?
  • Wurde bei Ihnen in den letzten fünf Jahren Eierstock-, Gebärmutter- oder Dickdarmkrebs festgestellt?
  • Haben Sie eine ausgeprägte Mastopathie (Brustdrüsenveränderung mit Knoten und Zysten)?
  • Wurde bei Ihnen wegen eines unklaren Befundes schon einmal eine Gewebeprobe aus der Brust entnommen?
  • Hat mehr als eine Angehörige (Oma, Mutter, Tochter, Schwester oder Sie selbst) Brustkrebs?


Letzte Aktualisierung:
31.01.2020

Referenzen:
(2) „Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Patientenleitlinie Brustkrebs im frühen Stadium. Berlin, Stand: Dezember 2018.
(3) Deutsche Krebsgesellschaft: Basisinformationen Krebs. Brustkrebs - Ursachen und Risikofaktoren. Online unter: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/brustkrebs/ursachen-und-risikofaktoren.html. Berlin. Zuletzt eingesehen am 31.01.2020.
(4) Krebsinformationsdienst des dkfz: Brustkrebs. Risikofaktoren für Brustkrebs.Online unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/brustkrebs/brustkrebsrisiken-uebersicht.php. Heidelberg. Zuletzt eingesehen am 31.01.2020.
(5) Deutsche Krebshilfe: Brustkrebs. Die blauen Ratgeber Nr. 02. Bonn, 2019.
(6) Prof. Dr. med. habil. Ursula G. Froster: Krebs - Eine Familienangelegenheit. In: Gelb-grüne Reihe Nr. 50 der Sächsischen Krebsgesellschaft e.V. Zwickau, 2018.
(7) AGO Empfehlungen Gynäkologische Onkologie Kommission Stand März 2017 unter: http://www.ago-online.de/de/infothek-fuer-aerzte/leitlinienempfehlungen/mamma/. Zuletzt eingesehen am 31.01.2020.

Fotonachweis:
© depositphotos.com / ID 12175744, lucidwaters