Früherkennung - die Fakten

Laut Gesundheitsleitlinie Früherkennung sollte sich Ihre Entscheidung für oder gegen eine Nutzung der Früherkennungsuntersuchungen auf drei Dinge stützen:

  • die Fakten aus den vorhandenen Studien zu Nutzen und Risiken der Früherkennung auf Prostatakrebs,
  • Ihrem persönlichen Risiko/möglichen Risikofaktoren sowie
  • Ihren persönlichen Wertvorstellungen (z.B. Fragen der Lebensqualität).

Auf dieser Basis gilt es für Sie zu entscheiden, ob die Chance, vielleicht dem Krebstod zu entrinnen, für Sie schwerer wiegt oder die Gefahr, mit einem nicht bedrohlichen Tumor zum Krebspatienten zu werden. Diese Entscheidung können nur Sie für sich persönlich treffen. Bei bestehenden Unsicherheiten oder Zweifeln können Sie sich auch mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin und Ihrer Familie, Verwandten oder Freunden besprechen. Sie sollten sich aber unter keinen Umständen zu einer Untersuchung drängen oder davon abhalten lassen. Denn, die unmittelbaren Konsequenzen einer unternommenen aber auch die Konsequenzen einer unterlassenen Früherkennungsuntersuchung tragen Sie allein.

Die Fakten laut Gesundheitsleitlinie

  • Der PSA-Test kann die Sterblichkeit an Prostatakrebs vermutlich sen- ken. In der größten Studie, der ERSPC, ist einer von 781 Männern, die einen PSA-Test machen ließen, nach 13 Jahren vor dem Tod durch Prostatakrebs bewahrt worden.
  • Trotz PSA-Test kann man an Prostatakrebs sterben. In der ERSPC-Studie sind etwa fünf von 1 000 Männern, die an PSA-Tests teilnahmen, an Prosta- takrebs gestorben. In der Kontrollgruppe ohne Tests waren es etwa sechs.
  • Durch den PSA-Test können Tumore entdeckt werden, die ohne Früher- kennung unentdeckt geblieben wären und keiner Behandlung bedurft hätten. Bei 34 von 1 000 Männern, die einen PSA-Test machen ließen, wur- de in der ERSPC-Studie Prostatakrebs entdeckt und behandelt, der ohne Früherkennung nach 13 Jahren nicht aufgefallen wäre. Die Folge von Überbehandlung können Impotenz und Inkontinenz sein.
  • Ob der PSA-Test Leben verlängert, ist unklar. In allen Studien sind in der Testgruppe und in der Kontrollgruppe gleich viele Männer gestorben. Das heißt, der PSA-Test hat sich nicht auf die Gesamtsterblichkeit ausgewirkt. Dieses Ergebnis kann zufällig bedingt sein. Um nachzuweisen, dass der PSA-Test die Gesamtsterblichkeit senkt, bräuchte man Studien mit vielen Millionen von Teilnehmern. Dies gilt ebenso für alle anderen Früherkennungsuntersuchungen.
  • Nicht jeder Prostatakrebs muss behandelt werden. Tumore der geringen Risikogruppe können überwacht werden. Nur wenn sie weiter wachsen, lei- tet die Ärztin oder der Arzt eine Behandlung ein. Dieses Vorgehen ist wissenschaftlich abgesichert und wird in der Leitlinie empfohlen.
  • Mit höherem Alter wird ein Nutzen des PSA-Tests unwahrscheinlicher.
    Auch der Nutzen einer Operation konnte bislang nur für Männer bis 65 Jahre nachgewiesen werden. Männern über 70 und geringem PSA-Wert wird deshalb keine weitere Früherkennung empfohlen.


Letzte Aktualisierung:
30.01.2020

Referenz:
(38) „Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. Version 5.1 – Mai 2019.
(39) „Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Gesundheitsleitlinie Früherkennung von Prostatakrebs. Informationen für Männer. Berlin, Stand: Juli 2015.

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