Die Mammographie (Röntgenaufnahme) der Brust

Für Frauen vom 50. bis zum 69. Lebensjahr besteht alle zwei Jahre Anspruch auf ein kostenloses qualitätsgesichertes Mammographie-Screening, eine Röntgenuntersuchung der Brüste. Dazu wurde ein strukturiertes und qualitätsgesichertes Mammographie-Screening-Programm bundesweit und flächendeckend umgesetzt. Mit einer Röntgenuntersuchung der Brust lassen sich Tumore in einem Stadium entdecken, in dem sie noch nicht tastbar sind.

Im Rahmen der Untersuchung macht eine Röntgenfachkraft zwei Aufnahmen von jeder Brust. Dazu wird Ihre Brust flach zwischen zwei Platten gepresst. Die Röntgenbilder werden dann von zwei speziell geschulten Fachärzten - unabhängig voneinander ausgewertet. Nach der Untersuchung können Sie wieder nach Hause gehen und werden in der Regel innerhalb von 7 Werktage vom Ergebnis der Untersuchung schriftlich informiert. Bei einem unklaren Ergebnis wird die Untersuchung eventuell noch einmal wiederholt oder eine ergänzende Untersuchung mit Ultraschall durchgeführt. Wenn sich der Befund nicht eindeutig klären lässt, wird eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen, um im Labor eingehender untersucht zu werden.

Die Mammographie gilt derzeit als die beste Früherkennungsmethode von Brustkrebs. Die Untersuchungskosten für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren tragen die gesetzlichen und privaten Krankenkassen. Die Teilnahme ist kostenlos und freiwillig.

In Sachsen findet das Mammographie-Screening in fünf Screening-Einheiten statt: Pirna, Leipzig, Dresden, Chemnitz und in Zwickau.

Hotline Mammographie Screening

Telefon 0371 91850999

E-Mail: zentrale-stelle@ zsmammo-sachsen.de

Hier gelangen Sie zur Zentralen Stelle für Sachsen (mit oder ohne Einladung)

Was spricht für das Mammographie-Screenings-Programm (24)?

  • Studien konnten belegen, dass das Mammographie-Screening-Programm Brustkrebs im Frühstadium entdecken kann. Frauen haben dann eine größere Chance, dass ihre Brustkrebs-Erkrankung geheilt werden kann.
  • Studien konnten weiterhin belegen, dass das Screening die Sterblichkeit an Brustkrebs senken kann.
  • Von 1.000 Frauen, die zehn Jahre lang regelmäßig am Mammographie-Screening teilnehmen, versterben vier bis fünf an Brustkrebs. Ohne Screening wären es sechs von 1.000 Frauen (IQWiG). Somit werden ein bis zwei von 1.000 Frauen durch das Screening-Programm vor dem Tod an Brustkrebs bewahrt.

Welche Risiken und Nebenwirkungen sind mit dem Programm verbunden (24)?

  • Das Zusammenpressen der Brust zwischen den Platten kann als unangenehm und/oder schmerzhaft empfunden werden.
  • Die Röntgenuntersuchung erfolgt durchionisierende Strahlen. Die Strahlendosis ist allerdings durch qualitätsgesicherte
    Geräte so gering wie möglich. Experten gehen davon aus, dass Frauen, die regelmäßig am Mammographie-Screening- Programm teilnehmen, durch die Strahlung keinen Schaden erleiden.
  • Von 1.000 Frauen, die am Mammographie-Screening teilgenommen haben, wird bei 30 Frauen ein auffälliger Befund festgestellt, und ihnen werden weitere Untersuchungen an- geboten. Bei 24 dieser 30 Frauen stellt sich heraus, dass der Verdacht falsch gewesen ist. Diese Frauen müssen eine Zeit lang mit der Angst leben, dass sie vielleicht Krebs haben.
  • Von sechs Frauen, bei denen Brustkrebs festgestellt wird, hat eine Frau ein sogenanntes Duktales Carcinoma in Situ (DCIS), das sich zu einem bösartigen Tumor verändern kann, aber nicht zwangsläufig wird. Da sich nicht vorhersagen lässt, bei welcher Frau dies wirklich geschieht, wird das DCIS ebenfalls operativ entfernt.
  • Beim Screening-Programm werden auch auffällige Befunde entdeckt, die gar kein Brustkrebs sind. Von 1.000 Frauen, die zehn Jahre lang regelmäßig zur Mammographie gehen, erhalten fünf bis sieben Frauen eine Überdiagnose (es wird eine Veränderung festgestellt, die ohne Früherkennung zu Lebzeiten gar nicht aufgefallen wäre).
  • Als Folge der Überdiagnose werden diese Frauen unnötig behandelt. Ihnen wird in der Regel eine Gewebeentnahme (Stanzbiopsie) empfohlen.
  • Bei Frauen mit einer hohen Brustdichte besteht das Risiko, dass zwischen zwei Mammographie-Terminen Brustkrebs auftritt (Intervallkarzinom).
  • Keine Untersuchungsmethode ist zu 100 Prozent verlässlich. Trotz einer gewissenhaften und gründlichen Untersuchung kann es vorkommen, dass ein bösartiger Befund nicht diagnostiziert wird.

Kritik am Mammographie-Screenings-Programm

Strahlenrisiko: Auch wenn jede Strahlung ein zusätzliches Krebsrisiko birgt, sind sich Expertinnen und Experten einig, dass der Nutzen des Screenings für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren bei einem sehr geringen Risiko deutlich überwiegt.

Überlebensvorteil: Frauen leben nicht unbedingt immer länger, wenn Ärzte bei der Mammographie einen Tumor entdecken. Möglicherweise würde sich auch nur die Zeit, in der die Frau von ihrem Krebs weiß, verlängern. Das Screening-Programm bietet jedoch die Chance, eine Brustkrebserkrankung so früh zu erkennen, dass sie heilbar ist.

Bewusste Entscheidung

Um Frauen eine bewußte Entscheidung über die Teilnahme am Mammographie-Screenings-Programm zu ermöglichen, hat die Deutsche Krebsgesellschaft einmal Vor- und Nachteile der Teilnahme am Programm zusammengestellt (23).

Vorteile

  • Es können so kleine Tumoren entdeckt werden, dass Heilung in über 90 Prozent möglich ist.
  • Man geht davon aus, dass die Zahl der Frauen, die an Brustkrebs sterben, in der Altersgruppe der 50- bis 70-Jährigen um 20 bis 30 Prozent reduziert werden kann.
  • Wer eine unauffällige Mammographie hat, kann relativ sicher sein (ca. 90 Prozent), dass aktuell kein Brustkrebs besteht.

Nachteile

  • Strahlenbelastung (gering).
  • Gefahr „falsch positiver“ Befunde. Das heißt, es entsteht ein Krebsverdacht, der sich nach zusätzlichen Untersuchungen nicht bestätigt. Dieses kann psychisch sehr belastend sein.
  • Gefahr „falsch negativer“ Befunde (ca. zehn Prozent). Das heißt, ein vorhandener Krebs wird nicht entdeckt; das gibt falsche Sicherheit.
  • Auch zwischen zwei Screening-Terminen kann Brustkrebs neu auftreten (sogenannte Intervall-Karzinome).
  • Es müssen sehr viele Frauen untersucht werden, um ein Leben zu retten.

Auch aus Sicht der Deutschen Krebshilfe ist das qualitätsgesicherte Mammographie-Screening eine sinnvolle Maßnahme. Sie empfiehlt Frauen, sich umfassend darüber zu informieren und auf dieser Basis für oder gegen eine Teilnahme zu entscheiden.



Letzte Aktualisierung:
30.01.2020

Referenzen:
(23) Deutsche Krebsgesellschaft: Basisinformationen Krebs. Brustkrebs - Das Mammographie-Screening als Früherkennungsmethode. Online unter: https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/brustkrebs/mammographie-screening.html. Berlin. Zuletzt eingesehen am 31.01.2020.
(24) Deutsche Krebshilfe: Brustkrebs. Die blauen Ratgeber Nr. 02. Bonn, 2019.
(25) „Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Patientenleitlinie Brustkrebs im frühen Stadium. Berlin, Stand: Dezember 2018.
(26) Briest S et al.: Brustkrebs. Grün-gelbe-Reihe Nr. 10 der Sächsischen Krebsgesellschaft e.V. Zwickau, 2018.
(27) Kooperationsgemeinschaft Mammographie: Das Mammographie-Screenings-Programm. Online unter: https://www.mammo-programm.de/. Zuletzt eingesehen am 31.01.2020.

Fotonachweis:
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