Antihormonelle Therapie

Testosteron wird in den Hoden und ein kleinster Teil (2–5%) in den Nebennieren gebildet. Bei der Entwicklung zum Mann spielt Testosteron eine entscheidende Rolle. Unter anderem beeinflusst es das Wachstum der Prostatazellen und damit unter Umständen auch eines Prostatatumors.

Um Bildung und Wirkung von Testosteron auszuschalten, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten.

Durch eine kleine Operation wird das testosteronproduzierende Hodengewebe ausgeschält (subkapsuläre Orchiektomie), so dass der Körper  kein Testosteron mehr bilden kann.

Alternativ kann mit speziellen Medikamenten die Wirkung des Testosterons ausgeschaltet werden. Für die meisten Männer ist diese Form der Antihormontherapie psychisch leichter zu verkraften als eine Hodenoperation, allerdings ist man auf regelmäßige „Hormongaben“ in Form von Spritzen angewiesen. Es gibt verschiedene Medikamentengruppen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen:

- Das Signal für die Bildung des Testosterons in den Hoden wird von der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gesteuert. Mit bestimmten Medikamenten (sogenannten GnRH-Agonisten) lässt sich die Hirnanhangdrüse so beeinflussen, dass die Hoden kein Testosteron mehr produzieren können. Zu Beginn der Therapie werden diese Medikamente mit Antiandrogenen kombiniert.

- Die sogenannten Antiandrogene hemmen die direkte Wirkung des Testosterons auf die Körper- und auch Prostata-(krebs)zellen.

Eine Antihormontherapie hemmt das Wachstum des Tumors und auch der eventuell vorhandenen Metastasen wirksam und idealerweise für mehrere Jahre. Danach beginnt der Tumor meist wieder zu wachsen: Man spricht von hormonresistentem oder hormonrefraktärem Prostatakrebs. Vermutlich «gewöhnt» sich der Tumor mit der Zeit an die hormonfreie Situation und «lernt», auch ohne Testosteron weiterzuwachsen.

Der PSA-Wert dient auch hier zur Überwachung des Erfolges bzw. der Wirkung der Hormontherapie. Sinkt der PSA-Wert während der Antihormontherapie auf unter 4 ng/ml, kann die Therapie allenfalls zeitweilig unterbrochen werden.