Behandlungsmöglichkeiten beim fortgeschrittenen Prostatakrebs

Hormontherapie

Haben sich bereits Lymphknoten- oder Knochenmetastasen gebildet, ist eine auf die Prostata begrenzte Behandlung nicht mehr ausreichend, da die Metastasen außerhalb des Behandlungsgebietes liegen. Benötigt wird nun eine Behandlung, die im ganzen Körper auf die Tumorzellen einwirkt (systemische Behandlung).

Entwicklung und Wachstum des Prostatakrebses hängen von den männlichen Sexualhormonen (v. a. Testosteron) ab. Durch eine Blockade oder Unterdrückung der Hormonwirkung kann das Wachstum des Tumors verändert bzw. verringert werden. Damit fehlt den Tumorzellen ein wichtiger Baustein für ihre Fortpflanzung.

Hierbei handelt es sich nicht um eine Heilung der Krankheit, sondern um eine Verzögerung des weiteren Krebswachstums. Ein vollständiges Entfernen der Tumorzellen ist nicht zu erreichen. Die Hormonbehandlung erlaubt zudem eine Linderung von Schmerzen, die durch Tochtergeschwüre (Metastasen) hervorgerufenen werden können. Man spricht von einer palliativen oder lindernden Behandlung.

Die Hormontherapie (endokrine Therapie) kann auf verschiedene Weise durchgeführt werden: entweder mittels (1) Operation oder (2) medikamentös.

(1) Bei der Operation (Orchiektomie) wird dem Patienten unter Narkose das hormonproduzierende Hodengewebe entfernt (operative Entfernung beider Hoden). Der gewünschte Hormonstopp tritt dann sofort ein.

(2) Eine Alternative zur Operation stellen bestimmte Medikamente (so genannte LHRH-Analoga) dar. Es handelt sich bei ihnen um synthetische Substanzen, die den natürlichen Hormonen ähnlich sind. Diese unterdrücken über das Zwischenhirn die Produktion der Sexualhormone. Wirkung und Nebenwirkungen (z. B. Verminderung der Libido und der Potenz, Hitzewallungen und längerfristig eine Osteoporose) sind mit denen nach operativer Entfernung des Hodengewebes vergleichbar. Je nach Produkt werden sie in ein- oder dreimonatigen Abständen gespritzt.

LHRH-Analoga können auch in Kombination mit Antiandrogenen eingesetzt werden. Antiandrogene unterdrücken die Wirkung des Testosterons unmittelbar an der Tumorzelle, so dass es bei der Kombination mit LHRH-Analoga zu einer kompletten Androgenblockade kommt. In Einzelfällen kann eine alleinige Therapie mit Antiandrogenen in Erwägung gezogen werden, wenn eine Unterdrückung des Testosterons nicht erwünscht ist. Die häufigste mit Antiandrogenen im Zusammenhang stehende Nebenwirkung ist eine schmerzhafte Brustvergrößerung, die mit einer vorgängigen äußeren Bestrahlung weitgehend verhindert werden kann. Antiandrogene sind in der Regel als Tabletten erhältlich.

Die Hormontherapie kann zu Veränderungen des körperlichen und psychischen Allgemeinbefindens der Patienten führen. So berichten betroffene Männer von Hitzewallungen, schmerzenden oder vergrößerten Brustwarzen, Schwellungen in den Beinen oder Knöcheln, Erektionsproblemen, depressiven Verstimmungen oder auch Antriebsarmut.

Behandlung des hormonresistenten Prostatakrebses

Nach einem Zeitraum von mehreren Monaten bis zu mehreren Jahren verliert die Hormontherapie ihre Wirksamkeit. Man spricht von einem hormonresistenten Prostatakrebs. Es können erneut Beschwerden auftreten. Deshalb ist es notwendig, dass der Arzt andere Therapiemittel einsetzt: • die Chemotherapie, • die Bestrahlung der Metastasen oder • Medikamente, welche über den Calciumstoffwechsel auf den Verlauf der Knochenmetastasen wirken. Von Fall zu Fall wird von den Spezialisten (Urologen, Radioonkologen, Onkologen) entschieden, welche Behandlung in Frage kommt. Der Krankheitsverlauf wird durch PSAMessungen und andere diagnostische Möglichkeiten wie Computertomografie oder Knochenszintigrafie kontrolliert.



Letzte Aktualisierung:
31.01.2020

Referenz:
(53) Dr. med. Baaske, Dieter, Prof. Dr. med. Fahlenkamp, Dirk, Dr. phil. Holze, Sigrun, Dipl.Psych. Gansera, Lutz & Prof. Dr. med. habil. Stolzenburg, Jens-Uwe. Prostatakrebs (Grün-Gelbe Reihe der SKG, Nr. 10, überarbeitete Auflage). Zwickau, 2019.

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