Psychoonkologie

Womit beschäftigt sich die Psychoonkologie?

Die Psychoonkologie beschäftigt sich mit den seelischen Faktoren, die mit einer Krebserkrankung zusammenhängen können und ihren Folgen. Sie hat sich als eigenständige Disziplin erst in den letzten 30 Jahren etabliert und deshalb nach Ansicht von Experten bis heute noch keinen ausreichenden Eingang in die normale Versorgung der Patienten gefunden, so dass diese sich noch zu oft selbst um entsprechende Angebote bemühen oder diese aktiv einfordern müssen.

Im Rahmen der psychoonkologischen Forschung wird heute vor allem versucht herauszufinden, wie Betroffenen bei der Bewältigung der Belastungen geholfen werden kann, die durch eine Krebserkrankung entstehen. Im Vordergrund steht dabei die Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung; entscheidend für das Vorgehen ist dabei das subjektive Erleben des Betroffenen, also seine eigene Einschätzung, wie er sich fühlt. Psychoonkologische Angebote sind aber nicht nur für Betroffene hilfreich. Auch Angehörige können viele Angebote der Unterstützung ebenfalls in Anspruch nehmen, da auch sie vielfältige emotionale Belastungen mit verkraften und bewältigen müssen. 

Dabei hat der in der Psychoonkologie entwickelte Begriff der Lebensqualität dazu beigetragen, dass bei der Erforschung neuer Behandlungsmethoden die Belastungen durch die Behandlung viel stärker berücksichtigt wird: Die Zulassung neuer Medikamente in der Krebsmedizin ist heute ohne Aussagen zur Lebensqualität der damit behandelten Patienten kaum noch vorstellbar.

Krebsberatungsstellen - Erste Anlaufstellen für Hilfe

Als erste Anlaufstelle für psychoonkologische Information und Beratung gibt es in den meisten größeren Städten Krebsberatungsstellen. Sie bieten eine Auswahl an psychologischen Hilfen in der Regel selbst an und verweisen wegen konkreter Therapieangebote auch an geeignete Ansprechpartner vor Ort. In Sachsen sind dies z.B. das

Krebsberatungstelefon der Sächsischen Krebsgesellschaft e.V. in Zwickau

Telefon
03 75 - 28 14 05
außerhalb der
Geschäftszeiten:

03 75 - 28 14 05
Mo-Fr:
08:00 - 16:00 Uhr
Di+Do:
16:00 - 19:00 Uhr
Sa:
09:00 - 12:00 Uhr

Krebsinformationstelefon (KIT) des Gesundheitsamtes Chemnitz:

Telefon:
03 71 - 4 88 58 58
Mo:
08:00 - 19:00 Uhr
Di:
08:00 - 18:00 Uhr
Mi:
nach Vereinbarung
Do:
08:00 - 18:00 Uhr
Fr:
08:00 - 13:00 Uhr

Krebsberatungstelefon des Tumorzentrums Dresden e.V.:

Telefon:
03 51 - 3 17 73 04
außerhalb der
Geschäftszeiten:

03 51 - 3 17 73 00
Mo:
08:00 - 12:00 Uhr; nachmittags nach Vereinbarung
Di:
08:00 - 12:00 Uhr und 13:00 - 16:00 Uhr
Mi:
nach Vereinbarung
Do:
13:00 - 18:00 Uhr; vormittags nach Vereinbarung
Fr:
08:00 - 12:00 Uhr

Psychosoziale Beratungsstelle der Uni-Leipzig für Tumorpatienten und Angehörige:

Telefon:
03 41 - 9 71 54 65
03 41 - 9 71 54 07
Mo-Fr:
09:00 - 16:00 Uhr

Tumorberatungsstelle des Klinikums „St. Georg“ Leipzig gGmbH:

Telefon:
03 41 - 9 09 28 50
Mo, Die, Do:
08:00 - 12:00 Uhr
Die:
13:00 - 14:00 Uhr

Fortbildung für Ärzte und Pflegepersonal

Psychoonkologische Angebote gibt es aber nicht nur für Patienten und ihre Angehörigen. Im Rahmen von psychoonkologischen Fortbildungsveranstaltungen sollen Ärzte und Mitarbeiterinnen aus dem Pflegebereich dazu befähigen, im Umgang mit Krebspatienten auch psychosoziale Aspekte zu berücksichtigen und Verhaltensweisen der Patienten besser zu verstehen. Darüber hinaus kann die Auseinandersetzung mit Belastungen im Berufsalltag unter Anleitung dazu beitragen, diese besser zu bewältigen, einem so genannten Burnout in der täglichen Auseinandersetzung mit dem Thema Krebs vorzubeugen und eine größere Zufriedenheit im Beruf zu erlangen.

Diagnose Brustkrebs: Was nun?

Brustkrebs stürzt viele Frauen in eine tiefe Lebenskrise. Ängste, zu sterben oder nicht mehr attraktiv zu sein, kommen hoch. Knapp 30 Prozent der Frauen, so Schätzungen, fühlen sich nicht mehr weiblich und selbstbewusst wie früher und können sich weniger gut mit ihrem Körper identifizieren. Jede zweite Frau hat Probleme mit ihrer Sexualität. Mit Hilfe kognitiver, emotionaler und handlungsbezogener Bewältigungsstrategien können Patientinnen wieder Selbstvertrauen entwickeln. Professionelle Hilfe von Psychoonkologen nehmen von den 55.100 Frauen, die in Deutschland jährlich an Brustkrebs erkranken, nur die wenigsten in Anspruch. Ein Großteil überwindet die Krise zusammen mit Angehörigen und Freunden. Es gibt aber auch Betroffene, bei denen Angst, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit überhand nehmen oder sich eine Depression einstellt. Hier ist es ratsam, sich an einen Psychoonkologen zu wenden. Rasche Hilfe bietet die akute Krisenintervention: Brustkrebspatientinnen üben Entspannungstechniken gegen die Angst, sie lernen, das Chaos zu ordnen und eigene Ressourcen zu aktivieren. Aus dem Schrecken erwachsen so oftmals auch Chancen und neue Perspektiven. Manche Frauen gewöhnen sich eine gesunde Lebensweise an, andere geben einen ungeliebten Beruf auf oder beginnen mit etwas, was sie schon lange vorhatten. Weiterhin kommt eine psychologische Begleitung als Beistand bei der Chemotherapie in Betracht. Darüber hinaus ist auch eine längere psychoonkologische Behandlung möglich, um Patientinnen zum Beispiel nach einer Amputation der Brust oder bei einem Fortschreiten der Krankheit aufzufangen. Eine möglichst große Offenheit gegenüber Familie und Freunden ist darüber hinaus eine große Entlastung. Empfehlenswert sind Familiengespräche mit Psychoonkologen. Dadurch ist ein gemeinsamer Kenntnisstand ewährleistet, und die Angehörigen haben Gelegenheit, zu besprechen, wie sie der Patientin am besten helfen. So lässt sich vermeiden, dass sich der eine überfordert, der andere übergangen fühlt. Auch Kinder – etwa ab dem Schulalter – die unter der Situation besonders leiden, können an den Gesprächen teilnehmen.

Psychoonkologie bei Brustkrebs - Was ist das?

Die Behandlung krebskranker Menschen in Deutschland basiert auf dem Zusammenspiel eines vielschichtigen, interdisziplinären onkologisch-psychoonkologischen Versorgungssystems, das ambulant und stationär tätige Institutionen umfasst. Im Vordergrund steht dabei die Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung. Entscheidend für das Vorgehen ist das subjektive Erleben der Betroffenen, also ihre eigene Einschätzung, wie sie sich fühlen. Angehörige können viele Angebote der Unterstützung ebenfalls in Anspruch nehmen – auch sie müssen die Belastungen mit verkraften und bewältigen. Die psychoonkologische Beratung umfasst im Übrigen auch Ärzte und Pflegepersonal. Fortbildungen in diesem Bereich sollen medizinische Fachkräfte dazu befähigen, im Umgang mit Krebspatientinnen auch psychosoziale Aspekte zu berücksichtigen und Verhaltensweisen der Patienten besser zu verstehen. Zentrale Aufgaben der psychoonkologischen Versorgung sind die Information, Beratung und Behandlung der Patienten und ihrer Angehörigen. Man unterscheidet verschiedene Stationen der psychoonkologischen Betreuung:

 

Stationäre Betreuung

  • Brustkrebszentren mit onkologischem Schwerpunkt
  • Tageskliniken, onkologische Ambulanzen, Nachsorgesprechstunden
  • Rehabilitationskliniken
  • Stationäre Hospize, Palliativstationen
  • Psychoonkologische Spezialeinrichtungen

 

Ambulante Betreuung

  • Psychosoziale Krebsberatungsstellen
  • Hausbetreuungs- und Pflegedienste
  • Psychotherapeutische Praxen

 

 

Brustkrebszentrum

Die Betreuung von Patienten und ihren Angehörigen im Brustkrebszentrum wird in der Regel als Liaison- oder Konsiliardienst organisiert. Das Liaisonkonzept ermöglicht ein hohes Maß an Integration psychoonkologischer Betreuung in der Medizin. Eine wichtige Aufgabe dieses Bereichs besteht in der übergreifenden ambulant-stationären Versorgung (ggf. auch durch Hausbesuche) und der Vermittlung entsprechender weiterführender Hilfen. Der Schwerpunkt liegt in der Einzelbetreuung. Vereinzelt werden auch kunsttherapeutische Angebote gemacht.

Stationäre Rehabilitation

Die psychoonkologische Betreuung in der Rehabilitationsklinik umfasst in der Regel das gesamte Spektrum der psychologisch-psychotherapeutischen Einzel- und Gruppentherapie, Entspannungsverfahren, künstlerische Therapien, Ergotherapie sowie Sozialberatung. Ziel der psychosozialen Betreuung ist es, psychische Beeinträchtigungen zu behandeln, die Krankheitsbewältigung zu verbessern, personale und soziale Ressourcen zu fördern und zu stärken sowie persönliche Probleme in Familie oder Partnerschaft zu bearbeiten. Als übliche Verfahren gelten hierbei verschiedene Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung oder gelenkte Imagination.

Ambulante psychosoziale Krebsberatung

Die ambulanten psychosozialen Beratungsstellen vermitteln Informationen und beraten Patienten und deren Angehörige über bereitstehende Hilfen in allen Phasen der Erkrankung. Das Aufgabenspektrum einer Krebsberatungsstelle in Abgrenzung zu anderen spezialisierten Beratungseinrichtungen (z. B. seitens der Selbsthilfe, Ämtern und Behörden etc.) umfasst:

 

  • Erkennen von sozialen und psychischen Notlagen bei Betroffenen und deren Angehörigen,
  • Information, Beratung und Begleitung im Krankheitsfall und Angebote zur Überwindung von krankheits- bzw. behinderungsbedingten Lebensproblemen sowie die Einleitung von rehabilitativen Maßnahmen,
  • Psychoonkologische Basisversorgung und supportive psychotherapeutische Hilfen wie z. B. Krisenintervention, Entspannungsverfahren, konfliktorientierte Gespräche, Paar- und Familientherapie, edukative und therapeutische Gruppen und
  • die Vernetzung der eigenen Angebote mit denen von Fachinstitutionen und Selbsthilfevereinigungen in Prävention, Behandlung und Nachsorge.

Wo und wie sind Psychoonkologen zu finden?

Bei der Suche nach psychoonkologisch spezialisierten Psychotherapeuten kann man sich an die Sächsische Krebsgesellschaft e.V. oder an die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für psychosoziale Onkologie e. V. (dapo) wenden bzw. selbst auf deren Internetseiten suchen.