Stadien der Erkrankung

Krebs ist nicht gleich Krebs. Für die individuelle Planung der weiteren Behandlung ist es deshalb wichtig, einen genauen „Steckbrief“ Ihres Prostatakrebses zu erstellen. Dies beinhaltet Informationen zur genauen Höhe des PSA-Wertes, die Erkenntnis zu welchem Zelltyp der Krebs gehört, welchen Aggressivitätsgrad die Krebszellen haben, wie groß der Tumor aktuell ist und ob er sich schon über die Prostata hinaus im Körper ausgebreitet hat (Metastasen-Bildung).

Die Ergebnisse der diagnostischen Untersuchungen Helfern den Ärzten, das genaue Krankheitsstadium zu ermitteln (Staging, Stadieneinteilung), den möglichen Verlauf Ihrer Erkrankung einzuschätzen und eine für Sie maßgeschneiderte Behandlung zusammenzustellen. Für die Beschreibung des Tumorstadiums gibt es ein  international einheitliches Einteilungsschema: die TNM-Klassifikation. Die Einteilung der verschiedenen Erkrankungsstadien richtet sich dabei nach:

  • der Ausdehnung des Tumors (Kurzbezeichnung: T)
  • ob Lymphknoten befallen sind (Kurzbezeichnung: N) und
  • ob der Tumor sich in anderen Organen angesiedelt hat (Kurzbezeichnung: M).

Die T-Kategorie (cT) beschreibt den Primärtumor. Sie ergibt sich aus der Tastuntersuchung.

Die N-Kategorie beschreibt, ob die Lymphknoten in der Nähe der Prostata befallen sind (lateinisch „nodus“ gleich Knoten).

N0: Lymphknoten sind frei
N1: Lymphknoten sind befallen

Die M-Kategorie beschreibt, ob Fernmetastasen vorhanden sind.

M0: Keine Metastasen vorhanden
M1: Metastasen vorhanden

Alle Tumore der Stadien cT1-2 N0 M0 werden unter dem Begriff „lokal begrenztes Prostatakarzinom“ zusammengefasst. Dies bedeutet, dass Ihr Tumor wahrscheinlich auf die Prostata selbst begrenzt und nicht in anderes Gewebe eingewachsen ist. Metastasen in Lymphknoten, Knochen oder anderen Organen haben die Ärztinnen und Ärzte nicht gefunden. Diese Einteilung hat auch Einfluss auf die weitere Behandlung Ihres Prostatakrebses.

Gleason-Score

Ergänzend hat der amerikanische Pathologe Donald F. Gleason in den siebziger Jahren ein System entwickelt, mit dem das feingewebliche Unterscheidungs- (Differenzierungs-) und Wachstumsmuster eines Prostatakrebses beurteilt wird („Gleason pattern“). Ziel der Untersuchung ist es, festzustellen, wie sehr sie sich das Tumorgewebe vom normalen Gewebe unterscheidet. Dafür gibt es insgesamt fünf Stufen, die mit den jeweiligen Punktzahlen bewertet werden. Je niedriger der Wert ist, desto mehr ähneln die Zellen normalem Prostatagewebe; je höher der Wert ist, desto stärker unterscheiden sie sich davon. Grundsätzlich gilt: Je mehr sich die bösartigen von den gesunden Zellen unterscheiden, desto aggressiver ist der Tumor.

Wie weiter nach der Diagnostik

Die Ergebnisse der Diagnostik erlauben Rückschlüsse auf die Beschaffenheit und die Aggressivität Ihres Tumors. Dazu können statistische Berechnungen in Form von Tabellen oder Nomogrammen herangezogen werden. So lassen sich Aussagen darüber treffen, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Tumor fortschreiten oder streuen wird. Ihr persönlicher Krankheitsverlauf kann davon jedoch auch abweichen. Anhand des Tumorstadiums, des PSA-Wertes und des Gleason-Scores werden von den Ärzten Risikogruppen (niedrig, mittel oder hoch). Diese beschreiben, wie aggressiv der Krebs wahrscheinlich ist. Je nach Risikogruppe empfehlen die Ärzte bisweilen andere Behandlungsmöglichkeiten.

Die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Behandlungsmethode ist dabei auch noch von weiteren Faktoren abhängig. Diese sind:

  • Allgemeinzustand und Alter des Patienten,
  • Tumortyp,
  • Ausdehnung des Tumors,
  • Begleiterkrankungen und
  • Erfahrung der Klinik.

Nicht jede Methode ist dabei bei jedem Patienten anwendbar. Experten raten deshalb, dass Sie sich hierzu von Ihrem Urologen beraten und auch Alternativen aufzeigen lassen.



Letzte Aktualisierung:
31.01.2020

Referenzen:
(40) Deutsche Krebshilfe: Prostatakrebs. Die blauen Ratgeber Nr. 17. Bonn, 2016.
(41) „Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Früherkennung von Prostatakrebs. Informationen für Männer. Berlin, Stand: Juli 2015.
(42) „Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. Version 5.1 – Mai 2019.
(43) „Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Prostatakrebs I – Lokal begrenztes Prostatakarzinom. Ein evidenzbasierter Patientenratgeber zur S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. Informationen für Männer. Berlin, 2018.
(44) Dr. med. Basske, Dieter, Prof. Dr. med. Fahlenkamp, Dirk, Dr. phil. Holze, Sigrun, Dipl.Psych. Gansera, Lutz & Prof. Dr. med. habil. Stolzenburg, Jens-Uwe. Prostatakrebs (Grün-Gelbe Reihe der SKG, Nr. 10, überarbeitete Auflage). Zwickau, 2019.

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