Umgang mit möglichen Nebenwirkungen der Behandlung

Nebenwirkungen der Chemotherapie (15)

Blut und Knochenmark
Produktion von Blut wird beeinträchtigt. Patienten sind während der Behandlungszeit anfällig für

  • Infektionen,
  • Blutarmut,
  • Blutungen.

Deshalb wird das Blut der Patienten und dessen Zusammensetzung regelmäßig kontrolliert.

Übelkeit und Erbrechen
Übelkeit mit Brechreiz und Erbrechen belastet die meisten Betroffenen am häufigsten. Inzwischen gibt es jedoch sehr gute Medikamente, die Übelkeit und Brechreiz wirksam unterdrücken.

Weitere Nebenwirkungen

  • Beeinträchtigungen der Funktion der Schleimhäute, insbesondere im Mund, in der Speiseröhre oder im Darm.
  • Mögliche Entzündungen der Zunge und der Mundschleimhaut können in einigen Fällen das Schlucken  beeinträchtigen und bei Patienten den Wunsch zu essen unterdrücken, selbst wenn die Patienten Appetit haben. Hilfe bieten hier Mundspülungen.
  • Nicht selten ist auch die Darmschleimhaut in Mitleidenschaft gezogen, so dass Darmentzündungen und Durchfällen vermehrt auftreten können.
  • Zellen der Haarwurzeln erneuern sich rasch und werden daher durch die Medikamente oft geschädigt. Sichtbare Folge: vorübergehender Verlust der Kopf- und Körperbehaarung
  • Hautveränderungen
  • Taubheitsgefühl der Hände bzw. Füße

Mögliche Nebenwirkungen der Behandlung

Chemotherapien haben oft Nebenwirkungen, die eine ausreichende Ernährung oft verhindern. Zusätzlich hat der Körper durch die Krebserkrankung einen bis zu einem 3-fach erhöhten Energiebedarf. Deshalb sind oft eine Ernährungsberatung und eine einleitende Ernährungstherapie notwendig um eine ausreichende Versorgung der Krebspatienten mit den lebenswichtigen Nährstoffen zu gewährleisten. Angesichts der oben beschriebenen möglichen Symptomen fällt dies den Betroffenen zunehmend schwer.

Praktische Tipps während der Chemotherapie

Allgemein

  • Verzichten Sie auf Alkohol und Nikotin, -pflaster und -kaugummis 
  • Nehmen Sie nur die von ihrem Arzt verschriebenen Medikamente 
  • Informieren sie ihren Arzt wenn sie komplementäre Mittel nutzen wollen (Nebenwirkungen / Wirkungsbeeinträchtigung)

Schützen Sie sich vor Infektionen

  • Meiden Sie Menschenansammlungen 
  • Meiden Sie Personen mit ansteckenden Krankheiten 
  • Gehen Sie bei Fieber, Schüttelfrost und Durchfall, der länger als zwei Tage dauert, oder brennendem Schmerz beim Wasserlassen sofort zu Ihrem Arzt.

Schützen Sie sich vor blutenden Wunden

  • Vermeiden Sie Aspirin (unterdrückt Blutgerinnung) 
  • Besondere Vorsicht beim Umgang mit spitzen Gegenständen, mit Messern und Werkzeugen 
  • Vorsicht beim Schneiden der Finger- und Fußnägel 
  • Nutzen sie bei blutendem Zahnfleisch Wattetupfer zur Zahnhygiene 
  • Vermeiden Sie gefährliche Sportarten.

Tritt trotz Vorsicht eine blutende Wunde auf, drücken Sie ein sauberes Taschentuch einige Minuten lang fest auf die Wunde, bis die Blutung stoppt. Tut sie das nicht oder schwillt die Wunde an, gehen sie dringend zum Arzt.

Nebenwirkungen der Strahlentherapie

Die Beschwerden bei bzw. nach der Strahlenbehandlung hängen (1) von der bisherigen Behandlung ab (Patient bereits operiert oder mit Chemotherapie behandelt) sowie (2) von Art und Umfang der Strahlentherapie ab.  Grundsätzlich unterscheiden wir bei der Strahlentherapie akute Nebenwirkungen (treten bereits während der  Strahlentherapie auf) und Spätwirkungen, die erst nach der Behandlung eintreten können.

Akute Nebenwirkungen

  • Schluckbeschwerden
  • gerötete und gelegentlich auch braun gefärbte Haut
  • trockene und/oder juckende bzw. schuppige Haut

Tipp der DKH: Bei trockener oder juckender Haut bietet eine kühlende, rückfettende Creme Linderung. Bei trockener, schuppiger Haut verwenden Sie eine Salbe mit Dexpanthenol zur Rückfettung. Alternativ Nutzung eines schmerzlindernden, hautschonenden und entzündungshemmenden Puders (z.B. Babypuder). Waschen Sie Ihre Haut mit lauwarmem Wasser und einer pH-neutralen Waschlotion. Nutzen Sie keine stark parfümierte Seife oder Parfüm. Vermeiden Sie Einreibemittel, warme oder heiße Umschläge, Infrarotbestrahlung oder Höhensonne und mechanische Reize jeder Art. Bitte vermeiden Sie auch, die Einzeichnungen auf der Haut zu verwischen!

Spätwirkungen

  • Entzündungen, die zu Vernarbungen des Lungengewebes (Fibrosen) führen können, die sich durch Hustenreiz und geringere Atemkapazität bemerkbar machen
  • Selten auch Verringerung der Herzleistung oder Veränderungen der Herzkranzgefäße durch Mitbestrahlung des Herzens 

Bei Bestrahlungen im Mund und Rachenraum sind Symptome wie Schluckbeschwerden, Schleimhaut-Entzündungen im Mundraum und Übelkeit und Erbrechen zu erwarten. Bei Bestrahlungen im Bauchraum sind eher Symptome wie Durchfall, Schmerzen im Bauchraum, Blähungen, Krämpfen oder Schleimhautentzündungen im Magen-Darm-Trakt zu erwarten. Bei beiden Formen kann die Nahrungsaufnahme erheblich beeinflusst werden. Auch bei einer Strahlentherapie ist oft wieder eine Ernährungsberatung und einleitende Ernährungstherapie notwendig, die nach den Richtlinien einer Leichten Vollkost aufgestellt sein sollte.

Was bedeutet das Prinzip der Leichten Vollkost?

Die leichte Vollkost – früher auch als „Schonkost“ oder „gastroenterologische Basisdiät“ bezeichnet – ist eine Kostform, mit der sich zwar kein direkter therapeutischer Effekt erzielen lässt, die aber zur Entlastung einzelner Verdauungsorgane oder des gesamten Stoffwechselgeschehens beitragen soll. Sinn und Zweck dieser Kostform ist somit die Vermeidung unspezifischer Unverträglichkeiten im Bereich des Verdauungstraktes und damit das Ausschalten möglicher Beschwerden wie Durchfall, Völlegefühl, Schmerzen, Druck, Übelkeit. Sie ist eine vollwertige, ausgewogene Ernährungsweise, die den Körper mit allen notwendigen Stoffen in ausreichendem Maße versorgt. Der leichten Vollkost liegen die allgemeinen Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sowie die Empfehlungen für eine vollwertige Ernährung zugrunde.

Welche Arten von Lebensmittel sind am besten verträglich?

Hülsenfrüchte, Zwiebeln, Paprikaschoten und Kohlsorten werden von vielen Patienten als unverträgliche Lebensmittel angegeben. Gemüse und Obst wird oft besser vertragen, wenn es gekocht ist. Vollkornbrot und Haferflocken, die ähnlich wie Grobgemüse reichlich Unverdauliches (Ballaststoffe) enthalten, werden nur selten gut vertragen.

Welche Zubereitungstipps gilt es zu beachten?

Frittierte, panierte und gegrillte Gerichte, Geräuchertes, süße und fette Backwaren, Mayonnaise und Süßwaren gelten häufig als unverträglich. Auch kohlensäurehaltige Getränke, stark gewürzte Speisen und solche, die besonders heiß oder kalt serviert werden, lösen bei vielen Patienten Beschwerden aus

Wie soll man mit dem erhöhten Energieverbrauch bei Krebs umgehen?

Bei einer Krebserkrankung ist durch den bis zu 3-fach erhöhtem Energieverbrauch und der eventuell verringerten Nahrungsaufnahme, eine Gewichtsabnahme eine sehr häufige Begleiterscheinung. Durch eine Ernährungsberatung zum Einsatz hochkalorischer Nahrungsmittel und den Austausch bestimmter Nahrungsmittel, um den Energiegehalt zu erhöhen, kann eine starke Gewichtsabnahme verhindert werden. Falls keine Möglichkeit besteht, den entsprechenden Energiebedarf mit natürlichen Lebensmitteln zu decken, kann der Einsatz, sogenannter „Astronautennahrung“ in Erwägung gezogen werden. Trinknahrung ist eine gute Möglichkeit ausreichend Energie, Vitamine und Mineralstoffe auf kleinstem Volumen aufzunehmen.

Was soll ich beim Essen beachten?

„Gut gekaut ist halb verdaut“. Hastig herunter geschlungene Bissen müssen im Magen erst mühsam aufgespalten werden. Das kann beschwerlich sein. Nehmen Sie sich Zeit zum Essen und kauen Sie gut. Viele als unverträglich eingestufte Lebensmittel sind gut gekaut durchaus verträglich. Hinzu kommt: Wer hastig isst, nimmt oft zu viel. Der Überblick über die Nahrungsmenge geht verloren und das Sättigungsgefühl setzt erst später ein. Starkes Völlegefühl kann die Folge sein. Essen Sie deshalb bewusst und beschäftigen Sie sich nicht mit anderen Dingen, schon gar nicht mit Problemen. „Ärger schlägt auf den Magen“ Beim einen wirkt er als Appetitszügler, beim anderen führt er zu unkontrolliertem Essen. Darüber hinaus kann eine entspannte, ruhige Atmosphäre bei Tisch allein schon „Wunder“ bewirken – auch für die Verträglichkeit der Speisen. Bereiten Sie Ihre Gerichte schonend zu, um möglichst viele wertvolle Inhaltsstoffe zu erhalten. Testen Sie Ihnen fremde Lebensmittel grundsätzlich in kleinen Portionen. Das gilt vor allem, wenn Sie fremdländische Küchen kennen lernen wollen.

Wann und wie oft soll ich essen?

Essen Sie möglichst regelmäßig. Unregelmäßiges Essen bedeutet zusätzlichen Stress für den Magen. 5-6 kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt belasten das Verdauungssystem viel weniger als 3 große Mahlzeiten. Essen Sie abends nicht zu schwer und nicht zu viel. Mit vollem Magen schläft es sich nicht so gut. Die letzte Mahlzeit sollte spätestens 2 Stunden vor dem Schlafengehen eingenommen werden.

Refrenzen:
(15) Sächsische Krebsgesellschaft e.V.: Material Onkolotse, Tumore der Atemwege. Sächsische Krebsgesellschaft e.V., 2013. sowie Lungenkrebs (Grün-Gelbe Reihe Nr. 22). Sächsische Krebsgesellschaft e.V., 2011.