Ursachen und Risikofaktoren

Wird ein Patient mit der Diagnose „Dickdarmkrebs“ konfrontiert, so wirft dies viele Fragen auf. Häufig werden Fragen gestellt wie: „Warum ist der Krebs entstanden? Weshalb bin gerade ich betroffen?“ Diese Fragen können noch nicht bis ins letzte Detail beantwortet werden, da die Ursachen für die Entstehung von Darmkrebs – wie bei vielen anderen Krebsarten auch - bisher noch nicht vollständig geklärt sind. Allerdings gibt es bereits einige wissenschaftliche Erklärungsansätze für die Entstehung von Darmkrebs.

So erfolgt die Umwandlung gesunder Darmzellen in Krebszellen häufig über gutartige Vorstufen, so genannten Darmpolypen (Adenome). Diese gutartigen Schleimhautwucherungen kann man sich als pilzähnliche Vorwölbungen der Darmschleimhaut vorstellen, die in den Darmraum hineinwachsen. Experten gehen davon aus, dass rund 90 Prozent der Darmkrebserkrankungen dadurch entstehen, dass diese Polypen entarten. Das bedeutet, dass ihre Zellen zu Krebszellen umgewandelt werden.

Außerdem gibt es Untersuchungen, welche auf Risikofaktoren (z.B. bestimmte Ernährungs- und Lebensgewohnheiten) hindeuten, die eine Krebsentstehung beeinflussen können. Gleichzeitig gibt es dadurch Hinweise, wie man durch die Anpassung des Lebensstils Risikofaktoren minimieren und somit einerseits eine gewisse Prophylaxe durchführen kann, andererseits aber, bei bereits bestehender Tumorerkrankung, die Prognose verbessern kann. Jedoch nicht alle bekannten Risikofaktoren lassen sich beeinflussen, wie zum Beispiel das Alter, das Geschlecht und eine erbliche Belastung.

Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts Berlin in Deutschland erkranken von jeweils 100.000 Menschen, die älter als 55 Jahre sind, jährlich etwa 158 an Darmkrebs. Fast zwei von drei Erkrankungen betreffen dabei den Dickdarm, knapp eine von drei betrifft den Enddarm, die restlichen liegen am Übergang zwischen Dick- und Enddarm und am Darmausgang. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt für Männer bei 72 Jahren und für Frauen bei 75 Jahren (8).

Risikofaktoren

Zu den Risikofaktoren für eine Darmkrebserkrankung zählen dabei:

  • das Alter,
  • ein Diabetes Mellitus,
  • unsere Lebensweise, dazu gehören v.a.
    • Rauchen
    • Alkohol
    • Übergewicht
    • Bewegungsmangel
    • Ungesunde Ernährung (fettreich/faserarm/stark gesalzene, gepökelte oder geräucherte Lebensmittel).

Ein erhöhtes Risiko haben laut Deutscher Krebsgesellschaft (4) auch Menschen,

  • die an einer chronischen Entzündung der Darmschleimhaut (insbesondere Colitis ulcerosa) leiden, vor allem wenn die Krankheit bereits länger als zehn bis fünfzehn Jahre besteht und einen großen Teil des Dickdarms betrifft.
  • die selbst oder nahe Verwandte mit Darmpolypen haben oder hatten.
  • Bei Vorliegen einer Familiären adenomatöse Polyposis, (genannt FAP).
  • in deren Familie bereits Darmkrebs aufgetreten ist, insbesondere wenn die Betroffenen bei Krankheitsbeginn jünger als 50 Jahre alt waren.
  • Die Veranlagung zu dieser Krebsart kann vererbt werden.
  • die selbst oder deren nahe Verwandte an anderen Krebsarten, zum Beispiel Brust-, Eierstock oder Gebärmutterkrebs, erkrankt sind.
  • die am Gardner-Syndrom erkranken.
  • die am Peutz-Jeghers-Syndrom erkranken.
  • die am HNPCC (Lynch-Syndrom) erkranken.

Genetische Belastung

Gelegentlich treten familiäre Häufungen von Krebs auf. Dahinter stecken Veränderungen im Erbgut, die an die Nachkommen weitergegeben werden können. Ob gegebenenfalls eine solche Veranlagung vorliegt, wird meist durch eine genaue Analyse des Familienstammbaumes hinsichtlich bestimmter Krebserkrankungen im Rahmen einer genetischen Beratung ersichtlich. Bei begründetem Verdacht kann eine gezielte genetische Untersuchung Aufschluss geben. Zu den Kriterien, die einen solchen Verdacht erhärten, gehören zum Beispiel die Häufigkeit von bestimmten Krebsformen innerhalb einer Familie und das Alter der betroffenen Familienmitglieder bei Auftreten der Erkrankung. Experten schätzen, dass insgesamt etwa 10 - 15% aller Darmkrebserkrankungen auf solche erblichen Vorbelastungen zurückgehen. Falls Sie sich nicht sicher sind, ob dies bei Ihnen zutreffen könnte, besprechen Sie dies mit Ihrem behandelnden Arzt.

Was kann ich selbst tun?

Experten empfehlen laut Krebsinformationsdienst (5) folgende Ernährungs- und Lebensgewohnheiten zur Orientierung:

  • Bewegen Sie sich regelmäßig.
  • Vermeiden Sie Übergewicht.
  • Essen Sie ausreichend Ballaststoffe, diese sind zum Beispiel in Getreideprodukten, Hülsenfrüchten oder Gemüse.
  • Essen Sie wenig rotes Fleisch oder verarbeitete Fleischprodukte (etwa Wurst).
  • Meiden Sie Tabak.
  • Begrenzen Sie Ihren Alkoholkonsum.
  • Acetylsalicylsäure (ASS, "Aspirin)" und ihre chemischen Verwandten sollten nicht zur Darmkrebsvorbeugung eingenommen werden. Über Ausnahmen informiert der Arzt.
  • Auch Vitamin- oder Mineralstofftabletten als Nahrungsergänzungsmittel werden zur Vorbeugung nicht empfohlen.
  • Lassen Sie sich von Ihrem Arzt über "Krebsvorsorge" informieren: Ab dem Alter von 50 Jahren haben Sie die Möglichkeit, Früherkennungsuntersuchungen für Darmkrebs in Anspruch zu nehmen.
  • Gab es in Ihrer Familie schon Krebserkrankungen oder leiden Sie an einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung? Dann sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, ob Früherkennungsuntersuchungen schon vor dem 50. Geburtstag sinnvoll wären.

Früherkennung

Experten schätzen die Früherkennung bei Darmkrebs als sinnvoll ein. Wenn der Darmkrebs in einem frühen Stadium erkannt wird, sind die Heilungsaussichten gut. Und bei der genutzten Darmspiegelung können sogar Krebsvorstufen entfernt werden, bevor sie sich zu einem Tumor entwickeln. Damit kann diese Untersuchung eine echte "Krebsvorsorge" sein, die vor Krebs schützt.


 

Letzte Aktualisierung:
31.01.2020

Referenzen:
(4) Deutsche Krebsgesellschaft: Basisinformationen Krebs. Darmkrebs. Online unter: https://krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/darmkrebs/darmkrebs-basis-infos-fuer-patienten.html. Berlin. Zuletzt eingesehen am 31.01.2020.
(5) Krebsinformationsdienst des dkfz: Darmkrebs.Online unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/darmkrebs/index.php. Heidelberg. Zuletzt eingesehen am 31.01.2020.
(6) Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe: Gesundheitsleitlinie Darmkrebs Früherkennung. Berlin, Stand: Juli 2015.
(7) Dobroschke J et al.: Kolorektales Karzinom. Gelb-grüne Reihe Nr. 29 der Sächsischen Krebsgesellschaft e.V. Zwickau, 2013.
(8) Deutsche Krebshilfe: Darmkrebs. Die blauen Ratgeber Nr. 06. Bonn, 2018.
(9) Sächsische Krebsgesellschaft e.V.: Material Onkolotse, Darmkrebs. Sächsische Krebsgesellschaft, 2011.

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